Because

(Kurzfilm)



Produktion Griebe/Tykwer (Black Out Films)



Inhalt

Ein leeres Weinglas fliegt durch die Dunkelheit. Oder besser gesagt, es schwebt: Kreist um sich selbst, verlangsamt in extremer Zeitlupe, wie ein Gegenstand, der im Weltall verloren gegangen ist. Dazu ein hoher, bedrohlicher Geigenton, elektronisch verstärkt und verzerrt. Dann sieht man das Glas wieder, aber diesmal steht es auf einer Kante, schon halb über dem Abgrund, der eigentlich nur der Rand einer schwarzen Kommode ist. Es könnte jeden Augenblick hinabfallen – verschiedene Kameraperspektiven lassen keinen Zweifel daran. Es könnte aber auch stehen bleiben. In den ersten Bildern von "Because" wird eine präzise, beinah wissenschaftliche Versuchsanordnung vorgestellt. "Tanja/Martin: Liebe. 3 Jahre. 5 Monate. 10 Tage", erklärt eine Tafel lapidar. Und in dem Moment, wo wir zum ersten Mal das Appartement von Tanja und Martin sehen – blutrote Wände, schwarze Möbel, theaterhaft ausgeleuchtet wie eine Bühne – zählt sogar ein Timecode mit: Der 25. April. Vierzehn Minuten nach Mitternacht. Und 30, 31, 32 Sekunden.

Story

So kühl die Vorstellung ihrer Welt auch sein mag, so vertraut erscheinen Tanja (Isis Krüger) und Martin (Thomas Stiller) selbst. Er hört ihren Schlüssel im Schloss, kriecht hastig ins Bett, stellt sich schlafend. Sie kommt herein, küsst ihn auf die Wange, zieht sich dann aus und schlüpft zu ihm unter die Decke. Ihre Zärtlichkeit wirkt nicht gespielt, sie scheint mit sich im Reinen zu sein. Er aber entpuppt sich als Quälgeist. Wie war's, will er wissen. Ganz nett. Aber sie wollte doch anrufen. Und warum hat sie, wenn sie angerufen hat, ausgerechnet gegen sechs angerufen? Sie wusste doch, dass er da noch nicht zuhause sein konnte. So geht es weiter, Bettgespräche, die jeder kennt, die sich um irgendwas drehen, nur nicht um das, worum es wirklich geht: Eifersucht, Beziehungszweifel – und die auf den anderen projizierte Unfähigkeit, mit dem eigenen Leben zurechtzukommen. Sie versucht, ihn zu beruhigen, wird aber zusehends selbst gereizt. Er steht auf, trinkt Wasser aus einer Glaskaraffe und kommt dabei dem Glas, das über dem Abgrund steht, gefährlich nah. Es passiert aber nichts. Dann blickt er hinunter auf die Straße, dort steht ein Vater mit seinem Sohn, etwas geht vor zwischen den beiden, am Ende aber nimmt der Vater den Sohn in den Arm. Tanja schafft es dann, Martin wieder ins Bett zu holen, und auf die Frage, ob sie ihn noch liebe, antwortet sie müde: "Ja sicher." Weiter schwebt das Glas durch das Weltall.

Wenn nun abermals ein Datum eingeblendet wird, dann braucht man einen Moment, um zu verstehen, was da passiert: Dass wir exakt denselben Tag, dieselben Szenen noch einmal erleben, mit einem winzigen Unterschied: Tanja kommt früher heim als beim ersten Mal, was am Timecode erkennbar ist, aber es geht höchstens um zwölf Sekunden. Das reicht allerdings, um das Glas, dass immer noch über dem Abgrund balanciert, diesmal aus dem Gleichgewicht zu bringen – es fällt und zerschellt auf dem Boden. Tanja tritt alsbald in eine Scherbe, die Kamera vollführt eine Kreisfahrt um die beiden, während Martin ihren blutenden Fuß versorgt. Und prompt entwickelt sich das Beziehungsgespräch anders als vorher: Tanja reagiert nun aggressiver und kampflustiger auf Martins Vorwürfe. Sie will sofort wieder gehen, um ihre Ruhe zu haben, aber Martin hindert sie daran, indem er ihre Tasche festhält. Diesmal ist es Tanja, die zum Fenster hinausblickt, und diesmal gibt der Vater dem Sohn eine Ohrfeige. Für Tanja ist das der Auslöser, Martin ebenfalls zu schlagen, als er ihr wieder zu nahe kommt. Dann aber tritt auch Martin in eine Glasscherbe, im gemeinsamen Schmerz kommen sich die beiden doch wieder näher. Und weiter schwebt das einsame Glas durch die undurchdringliche Schwärze.

Bevor nun die nächste Variante drankommt, folgt ein kleines enthüllendes Zwischenspiel. Man sieht, was Tanja zuvor wirklich gemacht hat – ein Freund führt ihr Dias vor, sie kann ihre Langeweile kaum verbergen. Wenn sie versichert, ihr Abend sei nichts Besonderes gewesen, sagt sie also offenbar die Wahrheit. Martin hingegeben sitzt beim Kartenspiel mit zwei Freunden und hat die Zeit komplett vergessen – als es aufbricht, fürchtet er, Tanja können schon vor ihm zuhause angekommen sein. Nicht genug also, dass er ihr das Leben zur Hölle macht – er lügt sogar, um einen Grund zur Beschwerde zu finden. Als sich die beiden diesmal in der Wohnung treffen, noch einmal etwa zwanzig Sekunden früher als beim letzten Mal, wissen wir, dass er gerade erst angekommen ist. Das lässt den Streit noch etwas surrealer erscheinen – und wenn diesmal das Glas in der Mitte der Diskussion zu Boden fällt, ist es nicht mehr weit bis zur dramatisch-absurden Schlusspointe. Im letzen Bild sieht man noch einmal das Glas, das so lang durch die Nacht geflogen ist. Es zerschellt – aber nicht etwa am unteren Bildrand, sondern am oberen – und dann läuft auch der Abspann von oben nach unten ab, während die psychedelischen Harmonien von "Because" erklingen, die Beatles auf ihrem letzten Album. "Because the world is round it turns me on, because the wind is high it blows my mind…" Scheinbare Erklärungen, die natürlich überhaupt nichts erklären, genau wie der Film selbst.

Wer nicht gerade bei der Premiere auf den Hofer Filmtagen 1990 dabei war, wird "Because" kaum als ersten Tom-Tykwer-Film sehen. Und so ist es heute besonders frappierend, wie viele Themen seines späteren Werks darin bereits enthalten sind. Die Idee zum Beispiel, dieselbe Abfolge von Ereignissen dreimal hintereinander zu zeigen, mit winzigen Störungen und Zufällen, die den Ausgang der Geschichte jedes Mal komplett verändern – sie ist später bei "Lola rennt" weltberühmt geworden. Oder die Tykwerschen Beziehungsdiskussionen zwischen Mann und Frau, immer haarscharf an der Grenze zwischen Drama und Komödie - hier werden sie zum ersten Mal durchgespielt. Eine Faszination für Zeit deutet sich ebenfalls schon an, ein Gespür für die Bewegung der Kamera, ein Auge für Spezialeffekte – und sei es nur mit dem Versuch, ein fliegendes Glas bis zur Schwerelosigkeit zu verlangsamen. Am Wichtigsten aber ist sicherlich, dass in "Because" ein entscheidender Grundzug von Tykwers Kino bereits erkennbar ist: Die ständige Spannung zwischen einem bewusst artifiziellen Erzählrahmen, der ausgeklügelter Konstruktion bedarf und das Künstliche des Kinos nicht verleugnen will – und dem Versuch, die Figuren, die sich innerhalb dieses Rahmens bewegen, trotzdem als lebendige, menschliche, wiedererkennbare Charaktere zu gestalten. Auch die ewige Spannung zwischen Mann und Frau ist bereits vorhanden, das Mysterium einer Beziehung und ihr Scheitern, die Liebe zwischen Retten und Gerettet werden.

Wenn er von der Liebe erzählt, erzählt Tykwer immer zutiefst persönlich. Es mag keine Absicht sein, aber Thomas Stiller, der Hauptdarsteller in "Because", sieht dem Regisseur nicht unähnlich – und Tykwer macht kein Geheimnis daraus, dass er seine damalige Beziehung mit Christiane Voss (später Co-Autorin von "Winterschläfer") als Inspiration für die Streitszenen benutzt hat. Umso erstaunlicher, dass er alle Sympathie am Ende der Frauenrolle zugesteht, während er an seinem männlichen Alter Ego – weinerlich, egozentrisch, von Eifersucht besessen und sogar verlogen – kein gutes Haar zu lassen scheint. Es wird noch eine Weile dauern in Tykwers Werk, bis die Männer halbwegs zur Ruhe finden, ohne auf die ewige Nachsicht der Frauen angewiesen zu sein – oder schließlich gar selbst einmal rettende Funktion übernehmen können. Noch werden sie auf eine Weise dargestellt, die man eigentlich nur als eklatante Selbstkritik verstehen kann.

Schon vor "Because" hat Tom Tykwer Filme mit einer Super-Acht-Kamera gedreht, die er als Kind geschenkt bekam. Einer davon, "Friday Afternoon" (1986), hat sogar Spielfilmlänge. Glaubt man dem Regisseur, dann müssen dies aber reine Fanfilme gewesen sein – getrieben von der Idee, einem verehrten Regisseur einfach alles nachzumachen. Die Erkenntnis, wie sehr man andere Leute mit so etwas langweilen kann, muss ein echter Schock für den jungen Tykwer gewesen sein – ebenso wie die Tatsache, das keine Filmhochschule Europas ihn mit "Friday Afternoon" aufnehmen wollte. Er arbeitete dann eine Weile als Kinovorführer im Berliner "Moviemento", um sein Verhältnis zum Filmemachen gründlich zu überdenken - und von dem Regisseur Rosa von Praunheim kam zu dieser Zeit der Anstoß, sich einmal mit Themen zu befassen, die er aus eigener Erfahrung kannte. Gleichzeitig lernte er einen anderen Filmvorführer kennen, der zwar ausgebildeter Kameramann war, aber ebenfalls noch keinen Fuß in die Tür bekommen hatte: Frank Griebe.

Aus dieser Konstellation entstand bald der Wunsch, es wieder zu versuchen. Gemeinsam nahmen sie Kredite auf, um "Because" zu finanzieren, Schauspieler und Mitarbeiter wurden im Freundeskreis rekrutiert, und während der Dreharbeiten übernahmen beide ungefähr zehn Jobs gleichzeitig. Als das Ergebnis ihrer Anstrengungen dann aber bei den Filmtagen in Hof gezeigt wurde, erkannte sich das Publikum sofort in den beiden Hauptfiguren und ihren Beziehungsproblemen wieder, und es favorisierte eindeutig die komische Seite der Geschichte – "Because" wurde, sehr zur Freude des Regisseurs, ein echter Lacherfolg. "Für mich war schon damals klar, dass ich mein Kino auf keinen Fall am Publikum vorbei machen wollte", sagt Tykwer heute. "Und 'Because' gab mir eine erste Ahnung davon, wie ich die Menschen erreichen kann." Mit Frank Griebe war gleichzeitig ein entscheidender Mitstreiter gefunden, der sowohl technisch wie künstlerisch bis heute mit Tom Tykwer mitwächst. Die Mund-zu-Mund-Propaganda in der Brache war gut, und neuen Taten stand – bis auf die Schuldenberge auf dem Privatkonto – eigentlich nichts mehr im Wege.

Cast & Crew

Cast

Thomas Stiller
Isis Krüger
Andreas Schmidt
Nikolaus Dutsch
Karl Grünberg
Peter Hommen
Tom Spieß
Martin
Nadja
Freund, der Tanja Dias vorführt
Vater vor dem Haus
Sohn vor dem Haus
Kartenspieler Rabok 1
Kartenspieler Rabok 2

Crew

Regie, Drehbuch, Musik
Produzent
Kamera
Schnitt
Regie-Assistenz:
Kamera-Assistenz

Grip
Ton



Special Effects
Musikarrangement
Tom Tykwer
Tom Tykwer, Frank Griebe
Frank Griebe
Katja Dringenberg
Lih Janowitz
Thomas Höper
Jan Hartmann
Wolfgang Franke
Katharina Geinitz
Elke Goetz
Dorothee Müller
Gabriela Herr
Claudia Beckmann
Ulrich Möller-Arnsberg
Entstehung

Entstehung des Films

Tom Tykwer über...
...Filme als Lebensbegleiter

Schon vor "Because" habe ich Filme auf Super-8 gedreht - trotzdem würde ich sagen, mein erster richtiger Film, für den ich mich nicht mehr schäme, ist „Because“. Ich war 25 und fing an, mehr zu sein als ein reiner Kinofan, auch die analytische Seite interessierte mich, ich wollte das Kino besser
verstehen. Und ich stellte fest, dass Filme, die mich wirklich berührten und inspirierten, eine innere Haltung haben. Was auch mit einer Identifizierbarkeit der Autoren zusammenhängt, und was einen an diese Filme bindet, als wären es alte Bekannte oder Freunde.

Die wahren Lieblingsfilme sind so etwas wie Lebensbegleiter. Es kann, wie auch bei Freundschaften, manchmal zu einem Bruch kommen kann - dann emanzipiert man sich voneinander. Oder man hat über Jahre das Gefühl: diesen Film möchte ich immer wieder sehen. Auch deshalb, weil er einem immer wieder etwas Neues zu sagen hat.

... Authentizität und Form

Ein Film wird erst mit dem Publikum geboren. Filme, die nicht kommunizieren wollen – gibt’s das überhaupt? - lehne ich ab. Das ist nicht das Kino, das ich anstrebe. Ich möchte aber ein radikal subjektives und trotzdem immer dem Zuschauer zugewandtes Kino machen. Die Phase, in der ich von allen Filmhochschulen abgelehnt wurde, Kinovorführer war und bei Filmproduktionen Praktika gemacht habe, war wahrscheinlich die wichtigste von allen. Ich habe genau erfahren, wie das Publikum reagiert. Und dann habe ich nach einem ehrlichen und wirklich zu mir passenden Stoff gesucht. Und so ist es gekommen, dass „Because“ auf geradezu penetrante und vielleicht sogar auch im Grenzbereich zum Privatistischen liegende Weise mein eigenes Leben, also meine Beziehung abgebildet hat.

Aber ich bin, denke ich, dem Ghetto des Privatistischen am Ende doch entronnen - weil ich dem Film ein sehr formales Setting gegeben habe.
Er ist ein ausgesprochen struktureller Film. Ein theoretischer Film, auch in seiner Konzeptheftigkeit. Und gleichzeitig ist er extrem persönlich. Weil er Dialoge nimmt, die aus meinem eigenen Leben stammen, weil er diesen Streit abbildet, den ich eigentlich jeden Abend mit meiner Freundin fabrizierte. Aber diese persönliche Ebene ist in einen Rahmen spannt, der unheimlich theoretisch ist, sehr formalistisch und streng.

... das "Prequel" zu "Lola rennt"

"Because" ist auch eine Art Prequel zu „Lola rennt“, ganz eindeutig. Eigentlich müssten beide Filme im Doppelprogramm laufen, weil "Because" die Vorlage zu "Lola" war - was ich damals natürlich noch nicht wusste. Schon hier geht es aber um ein Wechselverhältnis zwischen einem analytischem und einem sehr verstrickten, emotionalen Zustand, in dem die Zuschauer sich befinden sollen. Das gefällt mir.

Bei "Lola rennt" gibt es diese Momente im Zwischenreich zwischen Tod und Leben, die für den Film substantiell notwendig sind. Wo wir sehen, dass die beiden Hauptfiguren eben ganz normale Liebende sind - mit diesen ganzen neurotischen Auseinandersetzungen. Und das ist die Bezugnahme auf „Because“, weil diese Szenen ebenfalls rot gefärbt sind. Und all das Rituelle ist gleich, was natürlich auch das Wunder einer Liebesbeziehung ist. In diesen teilweise absurden Dialogen kommt genau das zu Vorschein, wofür man den anderen liebt. Auch in seiner Nervigkeit, auch in dem, was man an ihm ablehnt.

...Muster in Beziehungen

Diese typischen Muster zwischen Mann und Frau sind wohl unentrinnbar in Beziehungsabläufen. Das ist etwas, was mich offensichtlich thematisch besonders reitet, also die Möglichkeit und natürlich auch die Unmöglichkeit von Liebesbeziehungen - vor allem, wenn sie ein bisschen Geschichte haben. Wenn man nicht frisch, sondern ein bisschen historisch gewachsen liebt. Und sich Mechanismen und zerstörerische Tendenzen einschleichen. Da ist „Because“ fast schon wie ein Motto für den Rest der Filme, die danach kommen. Auch in seinem Ringen um Authentizität und gleichzeitige artifizielle Kraft.

... Rosa von Praunheim

Ein ganz, ganz wichtiger Einfluss in dieser Phase war Rosa von Praunheim. So unterschiedlich seine Art von Kino auch von meiner sein mag. Ich lernte ihn kennen, weil ich viele Filme von ihm im Kino gezeigt habe. Er war einer der Filmemacher, die mich aufgefordert haben, in eine bestimmten Richtung zu denken: mir vertraute Themen zu fokussieren und mir klar zu machen, dass es nicht darum gehen kann, Imitate zu erzeugen, sondern etwas Einzigartiges zu finden. Und das Einzigartige liegt nicht auf der Straße - man findet es nur in sich selber. Man muss es nicht in Hollywood suchen oder in Japan bei irgendwelchen Samuraifilmen. Man muss es erst einmal in sich selber suchen.

...einen guten Rat

Rosa hat mir mal ein Drehbuch, ein ganzes, fertiges Drehbuch, an dem ich fast ein Jahr geschrieben hatte, um die Ohren gehauen. Weil er sagte: „Was hast Du damit zu tun? Die Frau ist Friseuse. Der Mann ist Dompteur. Was soll das? Schreib was, worüber Du Bescheid weißt, guck` Dir Deine Beziehung an, guck` Dir Deine Freundin an. Ihr streitet Euch den ganzen Tag. Ihr kommt auf Partys und streitet euch und alle gucken dabei zu. Das ist ein Film.“ So ist „Because“ entstanden. Dadurch habe ich einen Film über ein Paar geschrieben, das sich streitet - und habe, ehrlich gesagt, die Dialoge abgeschrieben, die meine Freundin und ich im Bett führten. Am nächsten Morgen oder in der Nacht bin ich aufgestanden und habe das aufgeschrieben, was wir gerade geredet hatten, um endlich mal Dialoge zu haben, von denen ich spüre: die stimmen, da ist etwas wahr. Und das Irrste war für mich der Effekt, den der Film dann aufs Publikum hatte. So dunkel der ist und so missraten viele Sachen sind. Das Entscheidende ist für mich der Wahrhaftigkeitsaspekt. Das merke ich heute noch. So viel wir falsch gemacht haben, dieser Aspekt ist drin. Die Distanz habe ich inzwischen auch, das zu sehen, dass er etwas einfängt, was stimmt und was sich sofort aufs Publikum überträgt.

... die ersten Reaktionen

Was ich nicht ahnte: dass der Film lustig ist. Die Zuschauer haben sich totgelacht. Ich dachte, „Because“ sei vor allem dramatisch. Aber in Wahrheit war es für das Publikum toll, das Absurde und zugleich allzu Vertraute in diesen Dialogen zu wieder zu entdecken. Als er bei den Hofer Filmtagen lief, war das für mich ein irrsinniger Stressfaktor, weil das Festival damals so eine Art Mekka für mich war. Hof erschien mir damals eigentlich wichtiger als Cannes. (vielleicht gar nicht falsch) Ich dachte, entweder wird man da geschlachtet - oder es geht nach total vorne los. Insgesamt war es wahrscheinlich eher dazwischen. In Wahrheit war es kein Triumph, weil es ja nur ein halbstündiger, dunkler, verschrobener Streifen war. Aber die Leute haben gelacht und geklatscht, und sie waren wirklich dabei. Das war für mich das Schlüsselerlebnis. Sie haben am stärksten belohnt, dass der Film weiß, wovon er spricht. Und dass es ihm wichtig ist. Dadurch fühlt sich ein Publikum ernst genommen und inspiriert, teilzunehmen. Von da an wusste ich: Jeder Film, den ich jemals machen werde, soll diese Kraft haben.

...die Produktionsbedingungen

Produktionstechnisch haben Frank und ich uns völlig verschätzt. Wir haben einen Drehplan gemacht und wollten sieben Tage drehen. Nach zehn Tagen waren wir immer noch nicht fertig. Und dann mussten wir auch noch nachdrehen, drei Monate später. Und das wurde immer teurer. Der Film hat glaube ich am Ende fast 50.000 Mark gekostet, was damals völlig unfassbar viel Geld war. Frank Griebe und ich - wir haben beide jeder 1000 oder 2000 Mark im Monat als Kinovorführer verdient. Wir haben einen Kredit aufgenommen – ich musste dann jeden Monat 1000 Mark abbezahlen. Eigentlich war das völlig absurd, aber es war uns egal. Wir wollten drehen. Und „Because“ war sozusagen der Prüfstein, ob wir das halbwegs hinkriegen. Wir haben alle Fehler gemacht, die man machen kann. Wir haben selber Essen gemacht für alle, und die Wohnung, in der wir gedreht haben, war natürlich meine eigene. Und wir fanden es cool, wenn Filme dunkel sind, tiefschwarz, so wie „Der Pate“. Dann haben wir uns aber manchmal etwas verschätzt mit der Empfindlichkeit des Materials, und der Film ist an manchen Stellen fast ganz in der Finsternis verschwunden.

Presse

Pressestimmen

Abendzeitung München
29.10.1990

Abendzeitung Munich

Moviescho
Nr. 44/1990

Moviescho

Hofer Filmtage
1990

Hofer Filmtage

TIP Berlin
21.11.1990

TIP Berlin

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