Cloud Atlas



Produktion: A Cloud Atlas Production,
X Filme Creative Pool und Anarchos Production
In Kooperation mit A Company und ARD Degeto
Förderungen: DFFF, MBB, Film und Medienstiftung NRW, MDM, FFF Bayern & FFA
Drehzeit: September - Dezember 2011
Produzenten: Grant Hill, Stefan Arndt, Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski
Weltpremiere: September 2012, Toronto International Film Festival
Kinostart Deutschland 15. November 2012
Kinostart USA 26. September 2012
Im Verleih von: X Verleih AG
US Verleih: Warner Bros.
Weltvertrieb: Focus Features International



Story

1849: Ein amerikanischer Anwalt auf hoher See, der die Schrecken des Sklavenhandels kennenlernt. 1936: Ein junger Komponist, mit dessen Hilfe ein alterndes Genie ewigen Ruhm erlangen könnte. 1973: Eine aufstrebende Journalistin, die eine Atom-Intrige enthüllt. 2012: Ein Verleger, der in einem Altersheim erkennt, was Freiheit bedeutet. 2144: Eine geklonte Kellnerin, die ihre Wirklichkeit verändert. 2346: Ein Sonderling, der sich in einer post-apokalyptischen Welt mutig gegen übernatürliche Kräfte stellt.

Sechs Schicksale in 500 Jahren und doch ein einziges Abenteuer, in dem alle Figuren in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufs engste miteinander verbunden sind. Im Mittelpunkt steht ein Verbrecher, der sich über die Jahrhunderte hinweg wandelt und schließlich zum Retter der Menschheit wird.

CLOUD ATLAS ist ein bildgewaltiges Epos über die unendlichen Möglichkeiten des Lebens, in dem jedes Verbrechen und jede gute Tat Einfluss auf die Entwicklung der Welt haben. Die Verfilmung von David Mitchells Bestseller ist großes Kino voller Dramatik, Action und Romantik, das aufregend, überraschend und emotional intensiv die Grenzen von Zeiten, Generationen und Genres sprengt.

Cast & Crew

Cast

Tom Hanks
Halle Berry
Jim Broadbent
Hugo Weaving
Jim Sturgess
Doona Bae
Ben Whishaw
James D’arcy
Zhou Xun
Keith David
Susan Sarandon
Hugh Grant

Crew

Regie:
Buch:

Produzenten:

Ausführende Produzenten:
Co-Produzenten:
Associate Produzenten:
Redaktion:

Kamera:
Production Designers:
Kostüm:
Make Up:
Casting:
Schnitt:
Original Sound:
Sounddesign:
Re-Recording Mixer:
Line Producer:
Production Manager:
Visual Effects:
Musik:

Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski
Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski, based on the novel by David Mitchell
Grant Hill, Stefan Arndt, Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski
Philip Lee, Uwe Schott, Wilson Qiu
Peter Lam, Tony Teo, Alexander Van Dülmen
Gigi Oeri
Bettina Reitz

John Toll A.S.C., Frank Griebe
Uli Hanisch, Hugh Bateup
Kym Barrett, Pierre-Yves Gayraud
Daniel Parker, Jeremy Woodhead
Simone Bär, Lucinda Syson
Alexander Berner
Roland Winke, Ivan Sharrock
Frank Kruse
Matthias Lempert
Roberto Malerba, Marcus Loges
Miki Emmrich, Sebastian Neitsch
Dan Glass
Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil

Trailer

INHALT

Die Geschichte von CLOUD ATLAS beginnt im Jahr 1849 … Und im Jahr 1936 …1973 .… 2012 … 2144 … und 2346

All diese Erzählebenen und Geschichten werden zugleich eingeführt, dann wechselt der erzählerische Fokus in einem bestimmten Rhythmus von einer Ebene zur nächsten. Auf diese Weise treibt der Film den Zuschauer in sechs parallel verlaufende Erzählspuren hinein, die aber als eine einzige wahrgenommen werden.

Sofort erkennt man die Synchronität von Handlungen, deren Ursachen und Auswirkungen. Während jedes einzelne erzählerische Element sich zu einem gemeinsamen Ende fortentwickelt, realisieren sich auch die Verbindungen zwischen den Figuren und den Zeiten, in denen sie leben.

1849: Südpazifik

Adam Ewing (Jim Sturgess), ein idealistischer junger Anwalt aus San Francisco, ist zu den Inseln im Südpazifik gesegelt, um ein Geschäft mit dem bigotten, frömmelnden Plantagenbesitzer Reverend Horrox (Hugh Grant) abzuschließen. Auf einer der Inseln wird Ewing Zeuge, wie Autua (David Gyasi), einer von Horrocks Sklaven, brutal ausgepeitscht wird. Im Moment seines größten Schmerzes fixiert Autua mit aufgerissenen Augen Ewing, als würde er in ihm eine verwandte Seele erkennen und diese mit seinem Blick umarmen. Als sich Autua später auf der Heimreise als blinder Passagier in Ewings Kabine versteckt, muss der Anwalt sich zwischen seinen beruflichen Verpflichtungen und seinen wachsenden moralischen Zweifeln und Überzeugungen entscheiden. Die dann von ihm getroffene Entscheidung wird durch die Jahrhunderte hindurch nachhallen, wie er es sich nie hätte vorstellen können.

Gleichzeitig schlägt Ewings anderer Schiffskamerad, der heimtückische Opportunist Dr. Goose (Tom Hanks), einen komplett anderen Weg ein. Weitere Figuren komplettieren den Strang der Geschichte auf dieser Zeitebene. So der letzten Endes pragmatisch handelnden Kapitän Molyneux (Jim Broadbent); so Horrox’ (Susan Sarandon), eine unterdrückte, aber innerlich brodelnde Frau; der alles stumm ertragende Maori-Sklave Kupaka (Keith David); eine Maori-Arbeiterin (Halle Berry) auf Horrox’ Plantage; sowie Ewings Schwiegervater Haskell Moore (Hugo Weaving) und schließlich Ewings geliebte Ehefrau Tilda (Donna Bae), als Frau aus dem westlichen Kulturkreis.

1936: Schottland

Robert Frobisher (Ben Whishaw) ist ein verschmitzt-charmanter, ungestümer und enorm begabter junger Komponist. Als er von seinem Vater enterbt wird, und sich in England alle Türen für ihn verschließen, verabschiedet sich Frobisher von seinem Liebhaber Rufus Sixsmith (James D’Arcy). Dann bricht er auf, um sich selbst einen Namen zu machen, ohne sich nach anderen richten zu müssen. Als Assistent von Vyvyan Ayrs (Jim Broadbent), der, als renommierter, weit über 70 Jahre alter Komponist seinen kreativen Zenit längst überschritten hat, plant Frobisher, sein Meisterwerk zu komponieren: Eine Sinfonie, die er „The Cloud Atlas Sextet“ nennen wird. Über Briefe hält er Kontakt zum geliebten Sixsmith, glaubt an eine triumphale Rückkehr. Doch Frobisher unterschätzt die Macht, die Ayrs besitzt, bis sich seine Situation ändert und ihn völlig verzweifeln lässt.

In Frobishers Geschichte sind weitere Figuren involviert. Halle Berry spielt die stoische Jocasta, Ayrs’ Trophäenfrau, Hugo Weaving Ayrs’ Freund Tadeusz Kesselring, der ein scheußliches Geheimnis verbirgt, Hugh Grant einen piekfein versnobten Hotelangestellten, der einen friedlichen Abschied von Frobisher und Sixsmith verhindert, und Tom Hanks schließlich den habgierigen Manager einer weitaus schäbigeren Unterkunft, einer Absteige.

1973: San Francisco

Halle Berry verkörpert auf dieser Zeitebene die Journalistin Luisa Rey, die einen gravierenden Korruptionsfall in einem Energieunternehmen enthüllt, das auch ein Atomkraftwerk verwaltet und führt. Was sie entdeckt, könnte das Leben von Tausenden bedrohen und macht den von Hugh Grant dargestellten Werkspräsidenten Lloyd Hooks zu ihrem Feind. Bei ihren Recherchen findet sie in Rufus Sixsmith Unterstützung, dem jungen Mann aus der Frobisher-Geschichte, der nun ein in die Jahre gekommener Physiker ist. Weitere Hilfe bekommt sie von Isaac Sachs, einem von Hooks’ Angestellten, den erneut Tom Hanks spielt. Sachs findet keine Erklärung dafür, warum Luisa für ihn so vertraut wirkt und warum seine Impulse so stark sind, ihr helfen zu wollen.

Als sie von Hooks’ Auftragskiller Bill Smoke, verkörpert von Hugo Weaving, ins Visier genommen wird, hat sie nur eine Chance, am Leben zu bleiben. Sie muss sich dem von Keith David dargestellten Napier anvertrauen, einem Mann, der in Hooks’ Diensten steht, längst aber genug davon hat, sich von ihm herumkommandieren zu lassen.

Zu den weiteren Schauspielern, die auf dieser Zeitebene zu sehen sind, gehören die Chinesin Xun Zhou, die einen Hotelangestellten verkörpert, und die Koreanerin Doona Bae für die Rolle als Latina, als Fabrikangestellte. Darüber hinaus stellt David Gyasi Luisas Vater, einen gefeierten Kriegsreporter, dar, der zur Inspiration seiner Tochter wurde, während Ben Whishaw, in einem berührenden Moment, als Angestellter eines Plattenladens zurückkehrt, der eine bestimmte Melodie aus den 1930er Jahren einfach nicht aus dem Kopf kriegen kann.

2012: England

Auf dieser Zeitebene spielt Jim Broadbent den kleinen Verleger Timothy Cavendish, der plötzlich und voller Glück an viel Geld gelangt, als sich sein jüngstes Buch, die eitle Biografie eines von Tom Hanks mit rauem schottischem Akzent verkörperten Schlägertypen namens Dermot Hoggins, zum Bestseller entwickelt. Unglücklicherweise zieht der Geldregen auch Cavendishs Gläubiger an, von denen einige nicht nur Geld wollen.

Hugh Grant stellt Cavendishs rachsüchtigen Bruder Denholme dar, Ben Whishaw dessen treulose Ehefrau Georgette. Auch Hugo Weaving taucht wieder auf, nun als tyrannische Schwester Noakes, die sich in dieser Geschichte, die die komischsten Momente der ganzen Saga bietet, einen Kampf mit Cavendish liefert. Susan Sarandon spielt Cavendishs verloren geglaubte, ihn schließlich rettende Liebe Ursula, Jim Sturgess einen leicht explosiven schottischen Hooligan, James D’Arcy einen Krankenwärter in Cavendishs Alters- und Pflegeheim, während Halle Berry eine Frau verkörpert, die Dermot Hoggins für einen kurzen Moment ins Auge fällt.

2144: Neo Seoul

Doona Bae übernimmt auf dieser Zeitebene die Hauptrolle der Duplikantin Sonmi-451, spielt damit einen weiblichen Klon, der sein kurzes Leben in einer unheilvoll totalitären Gesellschaft, die über den Ruinen der überfluteten Metropole Seoul errichtet wurde, als stets gefügige Restaurantbedienung fristen muss. Als Sonmi von Yoona-939, einer anderen, von Xun Zhou dargestellten Duplikantin, ermutigt wird, eigenständig zu denken, was ihr in diesem System verboten ist, schlägt Sonmi einen Weg ein, bei dem es für sie kein Zurück geben kann. Unterstützt vom Rebellen Hae-Joo Chang, verkörpert von Jim Sturgess, macht Sonmi erste mutige, aber auch sehr gefährliche Schritte zu einem Aufstand mit weitreichenden Konsequenzen.

Zu den Figuren, die in diesem System zu den Unterdrückern zählen, gehört der schmierige, von Hugh Grant dargestellte Restaurantleiter Seher Rhee, der seine Autorität auch nach Geschäftsschluss spüren lässt, sowie Vorstand Mephi, gespielt von Hugo Weaving – ein Bürokrat, der dabei hilft, das totalitäre System aufrechtzuerhalten. Halle Berry verkörpert den Arzt Ovid, der den auch symbolisch einengenden Halskragen Sonmis entfernt, Susan Sarandon den Wissenschaftler Yusouf Suleiman, der sich für die Rechte der Duplikanten einsetzt. Auch Tom Hanks taucht auf dieser Zeitebene wieder auf – als Hauptdarsteller in einer Verfilmung von Timothy Cavendishs Leben, die wiederum Sonmis Handlungen inspiriert. Jim Broadbent schließlich spielt einen koreanischen Musiker, James D’Arcy einen Regierungsarchivar, der Sonmis Geständnis aufnimmt und davon nicht unbeeindruckt bleibt.

2321 und 2346: Hawaii nach der globalen Katastrophe

Die letzte Figur, die von Tom Hanks dargestellt wird, ist der verstörte, im Grunde aber anständige Ziegenhirte Zachry. Dieser gehört einem friedlichen Stamm an, der eine planetare Katastrophe überlebte. Eine Katastrophe, die den Großteil der Menschheit auf eine primitivere Entwicklungsstufe und auf ein primitives Leben zurückwarf. Zu den Überresten ihrer kulturellen Vergangenheit gehört auch ein Bild von Sonmi, die zu diesem Zeitpunkt wie eine Göttin verehrt wird, deren Worte von der Dorfäbtissin, gespielt von Susan Sarandon, immer wieder zitiert und in Erinnerung gerufen werden.

Für diese Welt der Zukunft entwickelte David Mitchell, Autor der Romanvorlage, einen fiktiven Dialekt, eine schmucklose, wie eine phonetische Kurzschrift angelegte Sprache. Die Regisseure von CLOUD ATLAS behielten Mitchells Sprache bei und arbeiteten vor Beginn der Dreharbeiten mit den Darstellern in einem Aufnahmestudio in Los Angeles, um sicherzustellen, dass diese Sprache auch auf der Leinwand funktionieren würde.

„Wir einigten uns auf eine Sprache, die im Grunde reduziertes Englisch war, bei der man Gefühle mit ganz wenigen Worten zum Ausdruck bringen konnte“, erläutert Halle Berry, die auf dieser Zeitebene die wichtige Rolle von Meronym spielt. Meronym ist eine Abgesandte einer fortschrittlichen Gemeinschaft von Menschen, die Prescients genannt werden. Um das Vertrauen von Zachry zu gewinnen, dessen Hilfe sie braucht, um etwas für das weitere Überleben der Prescients Unverzichtbares zu lokalisieren, spricht auch Meronym in dieser reduzierten Sprache. Doch Zachry muss für die Unterstützung Meronyms nicht nur sein eigenes Leben riskieren und alles verleugnen, an das er bisher geglaubt hatte, sondern auch die Zweifel überwinden, die sich ihm durch die höhnische Stimme von Old Georgie mitteilen – eine weitere Rolle für Hugo Weaving.

In der Rolle von Zachrys Schwester Rose ist Xun Zhou, als Zachrys Schwager ist Jim Sturgess und als Zachrys Stammesgefährte Ben Whishaw zu sehen. Hugh Grants Galerie des Bösen findet durch seine Rolle als Häuptling der Kona, eines plündernden und mordenden Kannibalenstammes, ihren spektakulären Höhepunkt, während Keith David, David Gyasi und Jim Broadbent der Gemeinschaft der erleuchteten Prescients angehören.

ENTSTEHUNG

PRODUKTIONSNOTIZEN

Fünf Jahrhunderte umspannt das ambitionierte und verblüffende Epos CLOUD ATLAS und geht dabei Fragen über das Leben und dessen grundlegenden Sinn nach, mit denen sich die Menschen seit Beginn ihrer Geschichte und der Entwicklung bewussten Handelns und Denkens auseinandersetzen. Mit einem kaleidoskopischen Spektrum von Action, Gefühlen und eindringlich geschilderten menschlichen Beziehungen und Verbindungen strahlt sein Licht entlang einer unendlichen Zeitlinie. Es geht darum, dass Menschen ihre persönlichen Entwicklungslinien in einem anderen Leben wieder aufnehmen und ihre Beziehungen zueinander immer wieder neu knüpfen.

Liebe kann die Ewigkeit überdauern, Fehler können dabei korrigiert oder wiederholt werden. Freiheit kann gewonnen oder verloren werden. Immer wieder bestimmen einzelne Entscheidungen, die getroffen werden, das menschliche Handeln und die Entwicklung unserer Welt.

„Was uns sofort faszinierte, war diese Vielzahl an Ideen und Gedanken, das Mitgefühl für Menschen, die Kühnheit und der kreative Mut und dieses besondere Gefühl, das sich beim Lesen des Buchs einstellte. Es wirkte wie ein klassischer Stoff und war gleichzeitig etwas völlig Neues“, erinnert sich Lana Wachowski, die mit zwei weiteren Autoren und Regisseuren David Mitchells Roman, die Grundlage für den Film, adaptierte. „Das Buch sprengt die Grenzen von Rasse und Geschlecht, von Ort und Zeit. Die Erzählung deutet an, dass die menschliche Natur all diese Grenzen überwinden kann. Das alles begeisterte uns an diesem Buch und schließlich begannen wir mit der Arbeit am Drehbuch.“

Die Filmemacher Lana und Andy Wachowski sind seit Langem mit Tom Tykwer befreundet und haben schon oft über eine Zusammenarbeit bei einem gemeinsamen Filmprojekt nachgedacht. Doch erst die Leidenschaft für David Mitchells Roman „Cloud Atlas“, die alle gleichermaßen packte, brachte die drei Filmemacher dazu, ihre Idee in die Tat umzusetzen. Passend zur ungewöhnlichen Geschichte, die der Roman erzählt, schlossen sich die Filmemacher zu einer außergewöhnlichen kreativen Allianz zusammen. Gemeinsam schrieben sie das Drehbuch und übernahmen die Regie, um die als modernes literarisches Meisterwerk gefeierte Buchvorlage auf die Leinwand zu bringen. Gemeinsam mit den Produzenten Stefan Arndt und Grant Hill kämpften sie um eine unabhängige Finanzierung.

„Es besitzt eine gewaltige Kraft“, fügt Tom Tykwer hinzu. „Man kann in kleinen, individuellen Beobachtungen Wahrheiten entdecken, die jeder nachempfinden kann. Wenn man aber diese Momente in einen größeren dramatischen Kontext und in einen imposanten zeitlichen Rahmen einbettet, erkennt man auf faszinierende Weise, was das Menschsein ausmacht.“

Die Geschichte aus Roman und Film umspannt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In verschiedenen Genres und Erzählstilen verdeutlicht sie, wie Ereignisse und getroffene Entscheidungen in einem Zeitalter auf unerwartete Weise in einem anderen nachhallen und so das Leben von anderen Menschen berühren und beeinflussen.

Jede einzelne kleine Geschichte entfaltet sich neben der anderen, während mit den Übergängen die gemeinsamen Bezüge zueinander enthüllt werden. Ein Anwalt aus San Francisco gewährt auf seiner Heimreise von den Pazifischen Inseln einem flüchtenden Sklaven Unterschlupf. Ein armer, aber talentierter Komponist kämpft im Großbritannien der 1930er Jahre um die Vollendung seines wichtigsten Werkes, bevor ihn die Konsequenzen einholen. Eine Journalistin versucht im Jahr 1973 einen katastrophalen Atomunfall zu verhindern. Ein Verleger steht unmittelbar vor seinem größten Erfolg, als er in eine Falle tappt und ungerechtfertigt eingesperrt wird. Im Jahr 2144 entwickelt eine geklonte Arbeiterin verbotenerweise ein eigenes menschliches Bewusstsein. Ein Ziegenhirte ringt in ferner Zukunft und in einer zerstörten Welt mit seinem Gewissen und kämpft um das Überleben der gesamten Menschheit. Schnell wird deutlich, dass diese Geschichten nicht voneinander getrennt, sondern Momente eines zusammenhängenden Zeitstroms sind.

Andy Wachowski erklärt dazu: „Der Schlüssel ist die Erkenntnis, dass es eben nicht sechs verschiedene Geschichten sind. Es ist nur eine einzige. Im Verlauf des Films bedingen und beeinflussen sich diese Handlungen und Zeiten gegenseitig – jede einzelne. Weil sich all diese Menschen weiterentwickeln, erkennt man die Verbindungen zueinander in chronologischer Ordnung und kann so ihrer Entwicklung folgen.“

Zugleich ist jede einzelne Figur Teil eines Ensembles, das mit unterschiedlichen Identitäten und in neuen Umständen und Situationen wiederkehrt. „Nicht nur eine Figur wird wiedergeboren, sondern alle Hauptfiguren existieren in jeder der gezeigten Welten“, erklärt David Mitchell. „Die Beziehungen zwischen diesen Figuren und das, was sie auszeichnet, machen eine Entwicklung durch. Es ist ein Universum, in dem Reinkarnation möglich ist, und ein Film, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft koexistieren. Der Tod bedeutet hier nur, dass sich eine Tür schließt und eine andere sich öffnet."

Auf diese Weise werden Konflikte, die in einem Zeitalter auftreten, vielleicht Jahrzehnte später gelöst werden. Ungerechtigkeiten kehren mit oft überraschenden Konsequenzen zurück. Liebende finden über die Jahrhunderte hinweg zusammen. „Ein elementarer Teil des Films ist eine großartige Liebesgeschichte, die über verschiedene Leben hinweg erzählt wird. Man folgt ihr in einzelnen Momenten und sieht nicht das komplette Ganze auf einmal“, führt Lana Wachowski aus und weist darauf hin, wie die junge Liebe eines Paares reifen und Einfluss auf die Handlungen des Einzelnen nehmen kann, wenn sich Menschen in unterschiedlichen Zeiten immer wieder begegnen und sich dabei weiterentwickeln. „Das ist ein weiteres großes Thema des Films“, erklärt Lana Wachowski, „dass nämlich die Liebe zu jeder Zeit verändern kann, welche Richtung man in seinem Leben einschlägt.“

„Es sind aber noch andere Kräfte am Werk“, wie Tom Hanks bemerkt, der sechs Rollen spielt und damit die Reise einer einzelnen Person während ihrer verschiedenen Aufenthalte im zeitlichen Kontinuum verdeutlicht: „Häufig beobachten die Figuren etwas, das ihr Leben für immer verändern könnte. Dann müssen sie handeln, können Helden oder Feiglinge sein. Ein wichtiges Thema des Films ist die Frage, ob Geschichte nichts anderes ist als solche Schlüsselmomente, die miteinander verknüpft sind. Was macht das Menschsein aus - sind es nicht eben die vielen Entscheidungen, die man treffen muss?“

Die Geschichten von CLOUD ATLAS erzählen von Aufrichtigkeit und beispielhaftem Mut, Hoffnung und Glaube, von Verrat, Kampf und Verlust und rücken diese einzelnen Momente der Entscheidung deutlich in den Fokus. „Diese Art des Geschichtenerzählens ist unglaublich unterhaltsam“, fährt Hanks fort. „Was immer man auch daraus für sich selbst lernen mag, nie gibt es einen Moment, an dem die Kamera keinen spektakulären Stunt oder kein tiefes menschliches Gefühl einfängt. Beim Lesen des Drehbuchs begann ich mich anfangs zu fragen, wer diese Menschen wohl wären, bis die Verbindungen untereinander klar wurden. Auch ihre kreativen Kämpfe als Künstler, ihr Ringen ums Überleben und die von ihnen getroffenen Entscheidungen, die das eine Leben mit dem nächsten verknüpften, wurden nun deutlich. Ich war völlig gebannt und emotional total involviert. Drehbuch und Film sind eine perfekte Mischung aus David Mitchells Roman und der filmisch-kreativen Kraft unserer drei Regisseure. Es handelt sich hier um ein brillantes Stück filmischer Literatur, das durch die Zeiten hindurch die Verbindungen der Menschen zueinander erforscht.“

Dem kann Halle Berry, die wie Hanks in sechs verschiedene Rollen schlüpft, nur zustimmen: „Das alles war eine einzigartige Erfahrung für mich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich noch einmal einen ähnlichen Film wie diesen drehen werde. Er ist in seiner Art einmalig und ungewöhnlich - das liebe ich. So viele Grenzen und Barrieren werden hier überwunden, so viele aufregende Konzepte vorgestellt. Hoffentlich wird der Film die Zuschauer zum Nachdenken bringen, wie sie die Welt und ihr eigenes Leben wahrnehmen.“

All diese Elemente machten nicht nur auf Tom Tykwer und die Wachowskis großen Eindruck, sondern wirkten geradezu magnetisch anziehend auf renommierte und erfahrene Schauspieler aus der ganzen Welt. In einer übereinstimmenden Reihe von Charaktereigenschaften werden die Hauptdarsteller Tom Hanks und Halle Berry von einer internationalen Besetzung unterstützt, der Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, James D’Arcy, Xun Zhou, Keith David, David Gyasi, Susan Sarandon und Hugh Grant angehören. Während sich die Geschichte zwischen verschiedenen Zeiten bewegt, wechselt der Fokus von einer Gruppe zentraler Darsteller zu einer anderen. Wiederkehrende Ensemblemitglieder tauchen in entscheidenden Momenten auf oder machen sich auf subtilere Weise bemerkbar.

„Es ist ein in jeder Hinsicht gewaltiges Projekt“, erzählt Grant Hill, der bei CLOUD ATLAS zum vierten Mal mit den Wachowskis zusammenarbeitet und zum ersten Mal gemeinsam mit Stefan Arndt einen Film produziert. „Die Figuren, die Liebe, das Pathos – alles hat emotionale Tiefe und spielt sich auf einer gigantischen Leinwand ab.“

Stefan Arndt, der seit beinahe 20 Jahren die meisten Tom Tykwer Filme produziert hat und der wesentlicher Ideengeber für die Finanzierung dieses eigentlich unfinanzierbaren Filmprojektes war, bemerkt: „Es war eine einfache Analyse der Realität. Die Studios machten noch vor wenigen Jahren bis zu 20 Filme pro Jahr, heute sind es nur noch 5 bis 6; früher alle Filmgenres, heute Franchise Movies Part 5 oder gar Prequels. Da ich, mein Partner Uwe Schott, unsere X-Verleiherin Manuela Stehr und die Filmemacher aber nun mal an „große Kinofilme mit Hirn drin“ glauben, haben wir uns einfach, wie in alten Zeiten, klassische Koproduzenten oder Kofinanziers gesucht. Anstatt dieses Geld anonym nach Hollywood zu investieren, boten wir ihnen echte Teilhabe und eine faire Recoupmentposition. Und eines kann ich sagen, diesen Stolz in der ersten Vorführung für die Finanziers zu spüren, war ein einmaliges Erlebnis. Ja klar, Film ist auch Geschäft, aber wir alle auf der Welt sind durch das Kino sozialisiert und an einem wichtigen, epischen Film teilzuhaben, der auch noch alle Kunstformen mit den schönsten Elementen des Popcorn-Kinos zusammenführt, das macht froh. Wir danken von Herzen allen, die uns dabei unterstützt haben."

„Wir lieben es, aufregende, unterhaltsame und romantische Filme zu drehen, die um bestimmte Themen und Ideen kreisen“, erläutert Lana Wachowski. „Es sind Filme, die uns alle seit unserem ersten Kinobesuch selbst inspiriert haben. Und mit unseren Filmen haben wir schon immer versucht, den Zuschauer auf verschiedenen Ebenen zu erreichen: visuell möchten wir etwas zeigen, das es vorher so noch nicht gab. Emotional möchten wir genug Nervenkitzel, Action oder Romantik bieten, die nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Kind in uns selbst gefallen, und schließlich möchten wir Perspektiven und Gedanken vorstellen, die das tägliche Leben betreffen und auf einer sehr persönlichen Ebene spielen.“

„Genau das hat mich ursprünglich bei den Filmen von Lana und Andy angezogen“, fasst Tom Tykwer zusammen. „Die Überzeugung, dass man gleichzeitig Herz und Verstand ansprechen kann. Man kann über diese faszinierenden Themen sprechen, die wie ein Fusionsantrieb in diesem Film wirken. Trotzdem ist man einfach nur hingerissen und überwältigt, wenn man den Film sieht.“

 

VOM BUCH AUF DIE LEINWAND: DIE VERBINDUNGEN WERDEN GEKNÜPFT

Der Gelegenheit, dem Kinopublikum eine Geschichte dieser Größenordnung erzählen zu können, konnten die Wachowskis und Tykwer nicht widerstehen. Aber wie sollten sie das Ganze anpacken? Mitchell hatte jede der sechs Geschichten nacheinander erzählt, dann den Plot nach einem dramaturgischen Höhepunkt in der Mitte jeder Geschichte abgebrochen und schließlich eine nach der anderen aufgelöst. „Wir wussten, dass diese Struktur bei einem Film nicht funktionieren würde“, erinnert sich Lana Wachowski an die Anfänge des Projekts. „Aber diese Struktur ließ uns über Möglichkeiten nachdenken, wie wir die Beschränkungen konventionellen filmischen Erzählens überwinden könnten.“

Mitchell hatte jedes einzelne Kapitel in einem anderen Stil geschrieben, „um die Unterschiede der einzelnen Geschichten deutlich zu machen. Ich dachte dabei an ein Menü mit einzelnen Gängen aus verschiedenen Küchen“, erzählt der Schriftsteller. Diese Konstruktion übernahmen die Filmemacher gerne, legten eine Geschichte als Drama, die anderen dann als Romanze, als Kriminalthriller, als Komödie und als futuristisches Science-Fiction-Abenteuer an.

Doch die erzählerische Kraft, die von diesem Stoff ausgeht, hat nichts mit der Art und Weise zu tun, wie diese Elemente sich unterscheiden, sondern wie sie sich nahtlos in ein Mosaik einfügen, wie es Andy Wachowski nennt: „Während man sich von Szene zu Szene bewegt, erschafft man sich im Kopf dieses Mosaik, findet man automatisch die Verbindungen. Ganz intuitiv gingen wir mit unserem Film also in diese Richtung.“

Jede einzelne Szene, jede Figur und jede Beziehung, die sie im Buch zu einer anderen knüpfte, schrieben die Filmemacher in einem Prozess des kreativen Komprimierens und Destillierens auf einzelne Karteikarten. Diese legten sie auf den Boden und ordneten sie in Gruppen. Andy Wachowski erklärt diese Verfahrensweise näher: „Wenn man auf Hunderte dieser Karten starrt, und der dramaturgische Mechanismus von CLOUD ATLAS zerlegt ist, dann sieht man alle Figuren Seite an Seite. Auf ganz natürliche Weise wird man von Punkten angezogen, an denen diese Figuren ähnliche Entwicklungskurven haben, wo die Geschichte einer Figur weitergeführt wird, oder gerade zu Ende gegangen ist. Man kann so die Entwicklung genau verfolgen.“

„Unser Ziel war es, eine übergeordnete Erzählebene zu entwickeln, um alles in eine fließende Geschichte mit eigener dramatischer Kraft einzubinden“, fügt Tom Tykwer Andy Wachowskis Ausführungen hinzu.

Die Filmemacher erforschten auch das Motiv der unendlichen Wiederholung, das sich durch den Roman zieht. Das ermöglicht starke Déjà-vu-Momente: Wenn sich die Blicke von Figuren scheinbar zum ersten Mal treffen, können diese Figuren das Gefühl haben, sie wären sich schon früher begegnet. Auf die gleiche Weise können die Töne einer bestimmten Sinfonie für einen Angestellten in einem Musikgeschäft eindringlich vertraut wirken, weil er selbst vielleicht der Mann gewesen ist, der diese Sinfonie in einem früheren Leben komponierte. Um all das erreichen zu können, erweiterten die Filmemacher Mitchells Kunstgriff, verschiedenen Figuren über verschiedene Zeitalter ein Geburtsmal in der Form eines Kometen zu geben, um die Weiterentwicklung der einzelnen Persönlichkeiten zu zeigen. „In meinem Buch“, so David Mitchell, „deutet dieses Geburtsmal an, dass es sich um die gleiche, wiedergeborene Figur handelt ... um eine Seele, die die Ewigkeit durchkreuzt und dabei ihre äußerliche Hülle und Form verändert.“

Im Film verdeutlicht sich diese Wiedergeburt durch die Schauspieler selbst, die in einem Zeitalter nach dem anderen in unterschiedlichen Rollen auftauchen und damit einen visuell fesselnden roten Faden für die Geschichte kreieren. Tom Tykwer erklärt das Konzept näher: „Als wir die Verbindungen zwischen den Figuren durch die verschiedenen Zeiten hindurch konstruierten und auch das Phänomen diskutierten, dass manchmal der Eindruck entsteht, eine Figur beendet, was eine andere Hunderte Jahre zuvor begonnen hatte, fragten wir uns: ‚Warum könnte nicht ein und derselbe Schauspieler diese Figuren darstellen?’ Warum besetzen wir den Film nicht auf der Grundlage der Idee, dass jeder Schauspieler nicht eine einzelne Rolle, sondern verschiedene Rollen verkörpert, die in ihrer Gesamtheit die Entwicklung dieses einen Menschen verdeutlichen?“

„Ich liebte dieses Konzept“, schwärmt Tom Hanks. „Jede Figur folgt ihrer eigenen persönlichen Entwicklung, aber im erzählerischen Überbau gibt es einen dramatischen Bogen, den diese Rollen gemeinsam bilden. Eine Figur legt das Fundament, eine andere baut darauf auf - wie Perlen aufgereiht an einer Schnur.“

Die Schauspieler tauchen in den aufeinanderfolgenden Zeitebenen des Films auf ganz natürliche Weise als komplett unterschiedliche Personen auf, sie sind in verschiedenen und vielfältigen Altersperioden und Schauplätzen zu sehen, häufig sogar mit unterschiedlichen Ethnien und Geschlechtern. William Conacher, Peggy Hall-Plessas und Julia Wilson-Dickson, renommierte Sprachlehrer und ausgewiesene Dialektspezialisten, arbeiteten eng mit den Schauspielern zusammen. Um glaubhafte Darstellungen der unterschiedlichen Ethnien auf die Leinwand bringen zu können, mussten die Schauspieler aus Nordamerika, Australien, Großbritannien, China, Deutschland und Korea sich sprachlich anpassen - mit Hilfe dieser Coachs und entsprechend der sich verändernden Kulturen, der sie auf der Leinwand angehören.

„Zu den Figuren, die ich im Film verkörpere, gehört eine blonde Deutsch-Jüdin und eine Frau aus dem 24. Jahrhundert“, erzählt Halle Berry. „Für einen Schauspieler ist das eine aufregende Vorstellung und eine enorme Herausforderung.“ Zugleich stellt Berry aber fest: „Menschen sind nur Menschen. Und das werden sie immer bleiben, unabhängig von den Zeiten und Umständen, in denen sie leben. In jeder von mir dargestellten Figur musste ich eine menschliche Qualität finden, die jeder nachempfinden kann. Denn wir alle sind nur Fleisch und Knochen, Herz und Verstand.“

Das Bild des Geburtsmals verloren die Filmemacher nicht aus den Augen. Statt es als Zeichen des Übergangs einzusetzen, benutzten sie das Mal, um eine Person zu markieren, die einen bestimmten Grad der Erkenntnis erreicht hatte und vor einer wichtigen, schwierigen Entscheidung stand, die ihr eigenes Leben oder das von anderen nachhaltig verändern würde. Tom Tykwer erklärt das näher: „Wir verstanden es eher als Symbol einer Person, die in ihrer Lebenszeit etwas tut oder erschafft, das dann eine andere Person, die dieses Zeichen trägt, in der nächsten Lebenszeit inspiriert.“

Nachdem dieses Konzept und diese dramatische Struktur soweit ausgearbeitet waren, ergab sich daraus eine Vielzahl an interessanten erzählerischen Möglichkeiten, wie Lana Wachowski anmerkt: „Wir begannen uns zu fragen, wie es wohl wäre, wenn der Bösewicht eines Zeitalters zum Helden eines anderen und dabei vom gleichen Schauspieler dargestellt werden würde. Und sobald wir diese Verbindung hergestellt hatten, stellte sich die Frage: ‚Wie gelingt einem Bösewicht diese Veränderung?‘“

Wie erlebte Autor David Mitchell die erste Verfilmung einer seiner Romane? „Für mich als Beobachter war der ganze Prozess faszinierend. Ich freue mich darüber und bin in gewisser Weise auch neidisch, wie die Filmemacher mein Buch so zerlegt und wieder zusammengesetzt haben, damit sie die Stärken ihres Mediums ausschöpfen konnten. Ich fühle mich, als hätte ich ihnen Stammzellen zur Verfügung gestellt, aus denen sie dann ihre eigene Schöpfung erschaffen haben. Es ist eine großartige Arbeit und Leistung. Ich bin absolut hingerissen.“

Der Plan der Produzenten Grant Hill und Stefan Arndt, CLOUD ATLAS ab September 2011 mit zwei gleichzeitig arbeitenden Teams zu drehen, ist eine Pionierleistung und spiegelt mit seinem unorthodoxen Ansatz das ungewöhnliche Projekt. Damit konnte die Produktionszeit halbiert und das zeitliche Engagement der großen Darstellerriege anstelle eines halben Jahres auf drei Monate reduziert werden. Ein solch ungewöhnlicher Ansatz erforderte dafür die doppelte Besetzung entscheidender Kreativpositionen. Es gab zwei Kameramänner und Produktionsdesigner und zwei leitende Kostüm- und Make-up-Designer. Die Berliner Babelsberg Studios wurden zur Produktionsbasis für beide Teams, die in Berlin und Umgebung sowie in Sachsen und auf Mallorca drehten.

Mit seinen langjährigen Mitarbeitern Johnny Klimek und Reinhold Heil komponierte Tom Tykwer den Soundtrack des Films. Dass Filmemacher selbst die Musik zu ihren Filmen schreiben, kommt selten genug vor. Noch ungewöhnlicher aber war, dass man bereits zu einem so frühen Zeitpunkt, nämlich weit vor Beginn der Dreharbeiten, mit dem Komponieren beginnen konnte. Doch für Tom Tykwer erwies sich das als großer Vorteil, denn dadurch konnten die emotionalen Töne und Stimmungen wie auch die Bedeutungen jeder Szene bereits während ihrer Realisierung definiert und darüber hinaus Schauspieler und Crewmitglieder zusätzlich inspiriert werden.

Das Herzstück des Soundtracks ist eine Sinfonie, deren Wurzeln in der Geschichte über einen jungen Musiker liegen, der 1936 an seinem Meisterwerk arbeitet, das den Titel „The Cloud Atlas Sextet“ trägt. „Die kreative Herausforderung lag für uns darin“, so Tom Tykwer, „ein Musikstück zu komponieren, das eine Verbindung zu der Zeit herstellt, in der es vermeintlich geschrieben wurde, das aber auch als musikalisches Leitthema für den ganzen Film dient. Es ist immer wieder zu hören, begleitet viele Szenen. Es ist ein Musikstück, an das sich jemand zu erinnern glaubt, wenn er es viele Zeitalter später hört.“

In vielerlei Hinsicht war CLOUD ATLAS für die Filmemacher und alle Beteiligten ein Projekt, das sie aus Liebe zu diesem Stoff in Angriff genommen und gestemmt haben. Selbst als sie gemeinsam schon am Drehbuch arbeiteten, gab es zwischen den Wachowskis und Tom Tykwer eine Übereinkunft, das Projekt erst dann in die nächste Produktionsphase zu bringen, wenn David Mitchell, Autor der Romanvorlage, von ihrer Adaption begeistert sein würde. Dieses Engagement, dieses Gefühl, der Romanvorlage verpflichtet zu sein, zog sich vom Anfang bis zur Fertigstellung durch alle Produktionsphasen des Films.

„CLOUD ATLAS ist ein fabelhaftes filmisches Experiment. Es ist ein epischer, erwachsener Film über epische, erwachsene Themen und Ideen und auch über das, was die Kunst des Filmemachens ausmacht“, schwärmt Susan Sarandon, die im Film unter anderem einen Inder und eine spirituelle Anführerin aus dem 24. Jahrhundert verkörpert. „Das Drehbuch gehört zu den selten zu findenden Skripts, bei denen man nicht schon nach den ersten drei Seiten weiß, was weiter passieren wird.“

„Der ganze Ansatz ist gewagt und ambitioniert, verweigert sich allem Formelhaften“, fügt Hugh Grant begeistert hinzu, der es ganz besonders genoss, dass er in diesem Film gegen sein Image besetzt wurde und im Rahmen eines großen Rollenspektrums Bösewichte unterschiedlichster Natur verkörpern durfte.

„Selbst jetzt – und ich weiß, wie rührselig das klingen mag – bekomme ich aus Dankbarkeit feuchte Augen, wenn ich daran denke, dass wir diesen Film tatsächlich machen konnten“, gibt Lana Wachowksi zu und bringt damit stellvertretend auch die Gefühle ihrer Kollegen zum Ausdruck. „Wir sind allen Schauspielern, die sich engagiert auf dieses ehrgeizige Konzept und die außergewöhnliche Geschichte eingelassen haben, zu großem Dank verpflichtet. Nur wenige Filme haben so viel von ihren Schauspielern verlangt. Nach der ersten gemeinsamen Drehbuchlesung, eine der witzigsten, die wir je erlebt haben, fasste Hugo Weaving das Projekt am besten zusammen: ‚In der Geschichte dieses Films müssen die Figuren mit Mut und Vertrauen handeln - und das trifft auch auf jeden in diesem Raum Anwesenden zu.’ „Um dieses Projekt stemmen zu können“, so Lana Wachowski abschließend, „mussten auch wir durchgehend mit Mut und Stärke für den Film kämpfen.“

 

STORY, BESETZUNG UND FIGUREN

„Der Druck, dem sich Lana, Andy und Tom zur Realisierung dieses Projekts aussetzten, war ebenso groß wie das Vertrauen, das sie uns Schauspielern schenkten“, bemerkt Tom Hanks. „Es war wirklich außergewöhnlich, wie sie uns freie Hand ließen, unseren Instinkten zu folgen. Die Dreharbeiten zu diesem Film verliefen wie im Flug, denn jeden Tag stellten wir uns einer neuen, aufregenden Sequenz. Und ich gehörte einem großartigen Team an, es war ein wirklich geeintes Ensemble.“

„Jedem von uns verschiedene Rollen zu übertragen, war eine inspirierte, durch und durch filmische Idee“, erklärt Jim Broadbent. „Es gab schon einige Filme mit großen Stars, in denen der Hauptdarsteller verschiedene Rollen spielte, aber so etwas wie diesen Film sicher nicht. Dieses Konzept ist ziemlich einzigartig und passt so gut zu dieser Geschichte, in der alles miteinander verbunden ist, und die Energie eines Lebensstroms den nächsten auflädt, bis diese wunderbare Dynamik entsteht, bis ein aufregender Moment dem anderen folgt.“

Weil zwei Produktionsteams, in Abstimmung zueinander gleichzeitig drehten, wechselten die Schauspieler während der Dreharbeiten von einem Set zum anderen, häufig sogar von einem Land zum nächsten. In den Pausen dazwischen kümmerten sich die Kostüm- und Make-up-Profis um sie, veränderten dabei das Erscheinungsbild der Darsteller manchmal so sehr, dass sie sich untereinander für kurze Zeit unerkannt bewegen konnten.

Susan Sarandon vergleicht die Erfahrung bei den Dreharbeiten, die Fröhlichkeit und den Spaß, mit einer Cirque-du-Soleil-Atmosphäre, bei der die Schauspieler couragiert von einem Trapez zum anderen sprangen. „Eines Tages sah ich in den Spiegel und konnte mich darin für eine Sekunde lang nicht wiedererkennen. So etwas war mir in meiner ganzen Karriere noch nie passiert. Es war eine absolut verblüffende Erfahrung – und doch nur einer von vielen Wegen, mit denen das Medium Film es dem Schauspieler ermöglicht, die Perspektive einer Figur einzunehmen. Einer Figur, von der man anfangs vielleicht glaubte, nichts mit ihr gemeinsam zu haben. Dadurch können wir erkennen, wie sehr wir uns alle ähneln, wie wenig doch Zeit, Alter, Hautfarbe und Geschlecht wirklich im großen Gesamtbild des Lebens bedeuten.“

Nach allem, was man bei den Dreharbeiten hören konnte, waren dieser Film und sein dramatisches Konzept für alle Schauspieler ein Traum. „Ich wurde dadurch erinnert, warum ich überhaupt Schauspieler geworden war, und ich glaube, das traf auf uns alle zu“, erläutert Ben Whishaw. „Meistens und unabhängig davon, welche Rolle man spielt, sieht man bei der Arbeit mehr oder weniger unverändert aus. Aber der Instinkt, sich verändern zu wollen und zu können, ist immer da, und hier bot sich dazu eine großartige Gelegenheit. Für mich war das eine sehr befreiende Erfahrung.“

Einige von Whishaws Kollegen empfanden diese Befreiung vielleicht noch stärker als andere, wie etwa Hugh Granz trocken bemerkt: „Natürlich faszinierte mich die Geschichte, die brillant ist, aber ich hätte diesen Film auch schon gemacht, nur um die Möglichkeit zu haben, den Häuptling eines Kannibalenstamms spielen zu können, der raubt, plündert und anderen die Kehle aufschlitzt. In SINN UND SINNLICHKEIT gab es nicht viele Gelegenheiten, anderen die Kehle aufzuschlitzen.“

 

Die Geschichte von CLOUD ATLAS beginnt im Jahr 1849...Und im Jahr 1936...1973...2012...2144...und 2346.

All diese Erzählebenen und Geschichten werden zugleich eingeführt, dann wechselt der erzählerische Fokus in einem bestimmten Rhythmus von einer Ebene zur nächsten. Auf diese Weise treibt der Film den Zuschauer in sechs parallel verlaufende Erzählspuren hinein, die aber als eine einzige wahrgenommen werden. Sofort erkennt man die Synchronität von Handlungen, deren Ursachen und Auswirkungen. Während jedes einzelne erzählerische Element sich zu einem gemeinsamen Ende fortentwickelt, erkennt man die Verbindungen zwischen den Figuren und den Zeiten, in denen sie leben.

 

1849: Südpazifik

Jim Sturgess verkörpert Adam Ewing, einen idealistischen jungen Anwalt aus San Francisco, der zu den Inseln im Südpazifik gesegelt ist, um ein Geschäft mit dem bigotten, frömmelnden Plantagenbesitzer Reverend Horrox, gespielt von Hugh Grant, abzuschließen. Auf einer der Inseln wird Ewing Zeuge, wie der von David Gyasi verkörperte Autua, einer von Horrocks Sklaven, brutal ausgepeitscht wird. Im Moment seines größten Schmerzes fixiert Autua mit aufgerissenen Augen Ewing, als würde er in ihm eine verwandte Seele erkennen und diese mit seinem Blick umarmen. Als sich Autua später auf der Heimreise als blinder Passagier in Ewings Kabine versteckt, muss der Anwalt sich zwischen seinen beruflichen Verpflichtungen und seinen wachsenden moralischen Zweifeln und Überzeugungen entscheiden. Und die dann von ihm getroffene Entscheidung wird durch die Jahrhunderte hindurch nachhallen, wie er es sich nie hätte vorstellen können.

„Es gibt einen Moment in dieser Geschichte, an dem Autua Ewing bittet, ihn entweder zu retten oder gleich zu töten. Es geht also um sehr viel“, erzählt David Gyasi. „Ewing hat hier mit eigenen Augen erstmals die Schrecken des Sklavenhandels gesehen“, fügt Jim Sturgess hinzu und hebt eine Szene heraus, der eine Reihe weiterer Szenen und Geschichten folgen werden, in denen beispielhaft sichtbar wird, wie Menschen die Jahrhunderte hindurch darum kämpfen, Unterdrückung, welcher Form auch immer, zu überwinden. „Zu dieser Zeit“, fährt Sturgess fort, „konnte ein Mann leicht Gefangener einer Denkweise werden, wie sie etwa bei Horrox sichtbar wird, der wie viele andere glaubt, auf der höchsten menschlichen Entwicklungsstufe zu stehen. Ewing aber spürt in seinem Innersten, dass dies völlig falsch ist. Und plötzlich bietet sich ihm die Gelegenheit, einzugreifen und etwas dagegen zu tun.“

Gleichzeitig schlägt Ewings anderer Schiffskamerad, der heimtückische, von Tom Hanks gespielte Opportunist Dr. Goose, einen komplett anderen Weg ein. Als Mitglied des sich ständig verändernden Ensembles ist in dieser Zeitebene auch Jim Broadbent zu sehen. Er verkörpert den letzten Endes pragmatisch handelnden Kapitän Molyneux, Susan Sarandon Horrox’ unterdrückte, aber innerlich brodelnde Frau, Keith David den alles stumm ertragenden Maori-Sklaven Kupaka, Halle Berry eine Maori-Arbeiterin auf Horrox’ Plantage, Hugo Weaving Ewings Schwiegervater Haskell Moore und Donna Bae schließlich als Ewings geliebte Ehefrau Tilda, als Frau aus dem westlichen Kulturkreis.

1936: Schottland

Ben Whishaw stellt Robert Frobisher dar, einen verschmitzt-charmanten, ungestümen und enorm begabten jungen Komponisten. Als er von seinem Vater enterbt wird, und sich in England alle Türen für ihn verschließen, verabschiedet sich Frobisher von seinem Liebhaber Rufus Sixsmith, gespielt von James D’Arcy. Dann bricht er auf, um sich selbst einen Namen zu machen, ohne sich nach anderen richten zu müssen. Als Assistent von Vyvyan Ayrs, der, verkörpert von Jim Broadbent, als renommierter, weit über 70 Jahre alter Komponist seinen kreativen Zenit längst überschritten hat, plant Frobisher, sein Meisterwerk zu komponieren: eine Sinfonie, die er „The Cloud Atlas Sextet“ nennen wird. Über Briefe hält er Kontakt zum geliebten Sixsmith, glaubt an eine triumphale Rückkehr. Doch Frobisher unterschätzt die Macht, die Ayrs besitzt, bis sich seine Situation ändert und ihn völlig verzweifeln lässt. „Weil Frobisher jung ist, voller kreativer Energie und Ideen steckt, glaubt er, Ayrs zu manipulieren, vielleicht aber ist genau das Gegenteil der Fall“, deutet Ben Whishaw an. „Es entwickelt sich ein Kampf um die Musik. Frobisher geht es dabei um künstlerische Anerkennung, Ayrs darum, seinen guten Ruf zu behalten.“

In Frobishers Geschichte sind weitere Figuren involviert. Halle Berry spielt die stoische Jocasta, Ayrs’ Trophäenfrau, Hugo Weaving Ayrs’ Freund Tadeusz Kesselring, der ein scheußliches Geheimnis verbirgt, Hugh Grant einen piekfein versnobten Hotelangestellten, der einen friedlichen Abschied von Frobisher und Sixsmith verhindert, und Tom Hanks schließlich den habgierigen Manager einer weitaus schäbigeren Unterkunft, einer Absteige.

1973: San Francisco

Halle Berry verkörpert auf dieser Zeitebene die Journalistin Luisa Rey, die einen gravierenden Korruptionsfall in einem Energieunternehmen enthüllt, das auch ein Atomkraftwerk verwaltet und führt. Was sie entdeckt, könnte das Leben von Tausenden bedrohen und macht den von Hugh Grant dargestellten Werkspräsidenten Lloyd Hooks zu ihrem Feind. Bei ihren Recherchen findet sie in Rufus Sixsmith Unterstützung, dem jungen Mann aus der Frobisher-Geschichte, der nun ein in die Jahre gekommener Physiker ist. Weitere Hilfe bekommt sie von Isaac Sachs, einem von Hooks’ Angestellten, den erneut Tom Hanks spielt. Sachs findet keine Erklärung dafür, warum Luisa für ihn so vertraut wirkt und warum seine Impulse so stark sind, ihr helfen zu wollen.

„Luisa befindet sich an einem Scheideweg“, erklärt Halle Berry. „Als Journalistin spürt sie, dass sie ihren eigenen Erwartungen an diesen Beruf bisher nicht gerecht werden konnte. Und dann fällt dieses Geschenk in ihren Schoß, diese große Gelegenheit, ein Risiko einzugehen und etwas potenziell wirklich Bedeutendes zu tun. Sie weiß nicht, wie hart sie tatsächlich sein oder ob sie das Ganze wirklich durchziehen kann, aber sobald sie ihre Entscheidung getroffen hat, wird sie Dinge tun, die sie nie für möglich gehalten hätte.“

Als sie von Hooks’ Auftragskiller Bill Smoke, verkörpert von Hugo Weaving, ins Visier genommen wird, hat sie nur eine Chance, am Leben zu bleiben. Sie muss sich dem von Keith David dargestellten Napier anvertrauen, einem Mann, der in Hooks’ Diensten steht, längst aber genug davon hat, sich von ihm herumkommandieren zu lassen.

Für Keith David ist Napier, passend zur Zeitebene, „eine Figur ähnlich wie Shaft. An diesem Bezug orientierte ich mich. Diesen Punkt dieser Reise erreichen zu können, fand ich sehr aufregend. Denn diese Seele, die wir zuerst als Maori Kupaka sahen, hat nun im Körper von Napier viel größere Möglichkeiten und nutzt diesen Vorteil zur eigenen Reifung. Vielleicht wird sie an einem späteren Punkt im Zeitstrom sogar noch größere Bedeutung haben.“

Zu den weiteren Schauspielern, die auf dieser Zeitebene zu sehen sind, gehören die Chinesin Xun Zhou, die einen Hotelangestellten verkörpert, und die Koreanerin Doona Bae, die für ihre Rolle als Latina, als Fabrikangestellte, nach Lektionen in Englisch nun auch Dialoge auf Spanisch absolvieren musste. Darüber hinaus stellt David Gyasi Luisas Vater, einen gefeierten Kriegsreporter, dar, der zur Inspiration seiner Tochter wurde, während Ben Whishaw, in einem berührenden Moment, als Angestellter eines Plattenladens zurückkehrt, der eine bestimmte Melodie aus den 1930er Jahren einfach nicht aus dem Kopf kriegen kann.

2012: England

Auf dieser Zeitebene spielt Jim Broadbent den kleinen Verleger Timothy Cavendish, der plötzlich und voller Glück an viel Geld gelangt, als sich sein jüngstes Buch, die eitle Biografie eines von Tom Hanks mit rauem schottischem Akzent verkörperten Schlägertypen namens Dermot Hoggins, zum Bestseller entwickelt. Unglücklicherweise zieht der Geldregen auch Cavendishs Gläubiger an, von denen einige nicht nur Geld wollen.

„Er macht sich aus dem Staub und glaubt, einen sicheren Platz für sich gefunden zu haben, der dann tatsächlich so sicher ist, dass er selbst ihn nicht mehr verlassen kann“, erläutert Jim Broadbent. „So entwickelt sich daraus die Geschichte einer weiteren Flucht, in deren Verlauf Cavendish einen Weg finden muss, um sich zu retten.“

Hugh Grant stellt Cavendishs rachsüchtigen Bruder Denholme dar, Ben Whishaw dessen treulose Ehefrau Georgette. Auch Hugo Weaving taucht wieder auf, nun als tyrannische Schwester Noakes, die sich in dieser Geschichte, die die komischsten Momente der ganzen Saga bietet, einen Kampf mit Cavendish liefert. Susan Sarandon spielt Cavendishs verloren geglaubte, ihn schließlich rettende Liebe Ursula, Jim Sturgess einen leicht explosiven schottischen Hooligan, James D’Arcy einen Krankenwärter in Cavendishs Alters- und Pflegeheim, während Halle Berry eine Frau verkörpert, die Dermot Hoggins für einen kurzen Moment ins Auge fällt.

„Schwester Noakes war für mich unter allen von mir gespielten Figuren die größte Herausforderung und brachte mir auch das größte Vergnügen“, erinnert sich Hugo Weaving. „Sie ist ein abscheulicher Drachen, behandelt die Heimbewohner, die sie verachtet, wie Kleinkinder. Dabei ist sie es, die in ihrem Innersten längst tot ist. Sie ist bereits seit vielen Jahren in diesem Heim tätig – ein Ort, der meiner Ansicht tief in ihre Seele eingedrungen ist, sie letztlich aufgefressen hat.“

2144: Neo Seoul

Doona Bae übernimmt auf dieser Zeitebene die Hauptrolle der Duplikantin Sonmi-451, spielt damit einen weiblichen Klon, der sein kurzes Leben in einer unheilvoll totalitären Gesellschaft, die über den Ruinen der überfluteten Metropole Seoul errichtet wurde, als stets gefügige Restaurantbedienung fristen muss. Als Sonmi von Yoona-939, einer anderen, von Xun Zhou dargestellten Duplikantin, ermutigt wird, eigenständig zu denken, was ihr in diesem System verboten ist, schlägt Sonmi einen Weg ein, bei dem es für sie kein Zurück geben kann. Unterstützt vom Rebellen Hae-Joo Chang, verkörpert von Jim Sturgess, macht Sonmi erste mutige, aber auch sehr gefährliche Schritte zu einem Aufstand mit weitreichenden Konsequenzen.

„Yoona und Sonmi waren mit ihrem Leben nicht zufrieden“, erläutert die chinesische Schauspielerin Xun Zhou, die mit CLOUD ATLAS ihren ersten Film außerhalb des asiatischen Kulturkreises gedreht hat. „Sie haben eigenständige Gedanken entwickelt und kamen schließlich zu der Überzeugung, dass die Dinge nicht so zu sein brauchten, wie sie sie erlebten. Sie wollten frei sein.“

Auch für Doona Bae ist CLOUD ATLAS das erste westliche Projekt. Die Südkoreanerin ergänzt die Ausführungen ihrer chinesischen Kollegin: „Yoona macht Sonmi neugierig auf das, was jenseits der ihr bekannten Welt liegt. Sie bringt Sonmi dazu, aufzuwachen und für sich selbst zu denken. Aber erst Chang, der erste Reinblüter, der sie freundlich behandelt, zeigt ihr, dass sie mit Würde für sich eintreten und kämpfen kann.“

Zu den Figuren, die in diesem System zu den Unterdrückern zählen, gehört der schmierige, von Hugh Grant dargestellte Restaurantleiter Seher Rhee, der seine Autorität auch nach Geschäftsschluss spüren lässt, sowie Vorstand Mephi, gespielt von Hugo Weaving – ein Bürokrat, der dabei hilft, das totalitäre System aufrechtzuerhalten. Halle Berry verkörpert den Arzt Ovid, der den auch symbolisch einengenden Halskragen Sonmis entfernt, Susan Sarandon den Wissenschaftler Yusouf Suleiman, der sich für die Rechte der Duplikanten einsetzt. Auch Tom Hanks taucht auf dieser Zeitebene wieder auf – als Hauptdarsteller in einer Verfilmung von Timothy Cavendishs Leben, die wiederum Sonmis Handlungen inspiriert. Jim Broadbent schließlich spielt einen koreanischen Musiker, James D’Arcy einen Regierungsarchivar, der Sonmis Geständnis aufnimmt und davon nicht unbeeindruckt bleibt.

2321 und 2346: Hawaii nach der globalen Katastrophe

Die letzte Figur, die von Tom Hanks dargestellt wird, ist der verstörte, im Grunde aber anständige Ziegenhirte Zachry. Dieser gehört einem friedlichen Stamm an, der eine planetare Katastrophe überlebte. Eine Katastrophe, die den Großteil der Menschheit auf eine primitivere Entwicklungsstufe und auf ein primitives Leben zurückwarf. Zu den Überresten ihrer kulturellen Vergangenheit gehört auch ein Bild von Sonmi, die zu diesem Zeitpunkt wie eine Göttin verehrt wird, deren Worte von der Dorfäbtissin, gespielt von Susan Sarandon, immer wieder zitiert und in Erinnerung gerufen werden.

Für diese Welt der Zukunft entwickelte David Mitchell, Autor der Romanvorlage, einen fiktiven Dialekt, eine schmucklose, wie eine phonetische Kurzschrift angelegte Sprache. Die Regisseure von CLOUD ATLAS behielten Mitchells Sprache bei und arbeiteten vor Beginn der Dreharbeiten mit den Darstellern in einem Aufnahmestudio in Los Angeles, um sicherzustellen, dass diese Sprache auch auf der Leinwand funktionieren würde.

„Wir einigten uns auf eine Sprache, die im Grunde reduziertes Englisch war, bei der man Gefühle mit ganz wenigen Worten zum Ausdruck bringen konnte“, erläutert Halle Berry, die auf dieser Zeitebene die wichtige Rolle von Meronym spielt. Meronym ist eine Abgesandte einer fortschrittlichen Gemeinschaft von Menschen, die Prescients genannt werden. Um das Vertrauen von Zachry zu gewinnen, dessen Hilfe sie braucht, um etwas für das weitere Überleben der Prescients Unverzichtbares zu lokalisieren, spricht auch Meronym in dieser reduzierten Sprache. Doch Zachry muss für die Unterstützung Meronyms nicht nur sein eigenes Leben riskieren und alles verleugnen, an das er bisher geglaubt hatte, sondern auch die Zweifel überwinden, die sich ihm durch die höhnische Stimme von Old Georgie mitteilen – eine weitere Rolle für Hugo Weaving.

In der Rolle von Zachrys Schwester Rose ist Xun Zhou, als Zachrys Schwager ist Jim Sturgess und als Zachrys Stammesgefährte Ben Whishaw zu sehen. Hugh Grants Galerie des Bösen findet durch seine Rolle als Häuptling der Kona, eines plündernden und mordenden Kannibalenstammes, ihren spektakulären Höhepunkt, während Keith David, David Gyasi und Jim Broadbent der Gemeinschaft der erleuchteten Prescients angehören.

Hugh Grant kommentiert, wie der Lebenszyklus seiner vielen Rollen in CLOUD ATLAS hier den Tiefpunkt erreicht: „Ganz sicher haben Seelen die Möglichkeit sich zu verbessern. Einigen Seelen gelingt das auf dramatische Weise, anderen aber überhaupt nicht. Sie verbessern sich nie, sondern werden nur noch schlimmer und bösartiger. Alles geht auf den freien Willen und die Entscheidungen zurück, die wir selbst treffen.“

AUF LANGE SICHT

Während sich die Konsequenzen dieser Entscheidungen und Handlungen bis ins Unendliche immer und immer wieder niederschlagen, erweitern sich einzelne Entwicklungselemente der Figuren zu großen dramatischen Bögen, die schließlich ein Leben definieren.

„Zu Beginn spiele ich eine nahezu machtlose Eingeborene, dann Jocasta, die im Grunde nur eine menschliche Hülle ohne eigene Stimme ist“, erläutert Halle Berry. „Dann verkörpere ich Luisa Rey, die hart darum kämpft, ihre Stimme, ihre Stärke zu finden. In der Geschichte mit Verleger Cavendish stelle ich eine mysteriöse Partybesucherin dar. Von ihr wissen wir nicht viel, sondern nur, dass sie sehr selbstbewusst wirkt. Aber im nächsten Leben spiele ich einen Arzt namens Ovid, der moralisch auf der richtigen Seite steht. Wenn man dann den Zeitpunkt erreicht, an dem ich Meronym darstelle, erkennt man, wie ihre Reise den Gipfelpunkt erreicht und warum sie so stark ist.“

Ein ähnliches Spektrum durchlaufen auch Keith Davids Figuren – vom Sklaven bis hin zum Anführer. Und wenn Jim Sturgess erstmals als Ewing zu sehen ist, trifft er seine Entscheidungen ganz instinktiv als ein Mann, der beginnt, die Bedeutung von Gerechtigkeit zu verstehen. Diese Ideen aber sind viel präziser formuliert und ausgebildet, wenn diese Seele im Freiheitskämpfer Chang wiederkehrt und ihre ganze Entwicklung zeigt. Mit all diesen Figuren erinnert CLOUD ATLAS an die nie endende, gemeinsame Sehnsucht aller Menschen nach Freiheit.

„Würde man ein gemeinsames Thema für alle meine Rollen hier finden wollen, wäre das wohl die Arbeit in Institutionen, die meine Figuren nicht mögen und die sie gerne verändern würden“, erklärt James D’Arcy, der in CLOUD ATLAS unter anderem für ein korruptes Energieunternehmen, ein schreckliches Pflegeheim und eine repressive Regierung arbeitet. „Die letzte Inkarnation meiner Seele ist aber der Archivar, der zwar, technisch gesehen, Teil des repressiven Systems ist, am Ende aber Stellung bezieht und damit Hoffnung auch für diese Seele erkennen lässt.“

Um den Roman für die Leinwand adaptieren zu können, dekonstruierten die Filmemacher die literarische Vorlage. Das Ergebnis kommentiert Andy Wachowski mit spezifischen Beispielen: „Einmal sieht man, wie Autua an der Takelage hängt und in höchster Gefahr ist, erschossen zu werden. Einen ähnlichen Moment gibt es auch in der Geschichte von Sonmi, als sie auf ihrer Flucht aus dem Gefängnis fast getötet wird. Wenn man diese beiden Momente wie bei einem Sandwich aufeinanderlegen würde, würde man die Ähnlichkeiten und die Wendepunkte erkennen.“

„Ich habe längst aus den Augen verloren, auf wie viele unterschiedliche Arten die einzelnen Szenen miteinander verbunden wurden“, gibt David Mitchell zu. „Manchmal markierten sie das visuell, manchmal strukturell. Es waren glitzernde Fragmente, die sich wie Sprühregen über die Zeitachse ergossen. Dabei führt Mitchell noch ein weiteres Beispiel auf, wenn Chang auf der Flucht mit Sonmi über der Skyline von Neo Seoul auf seine Verfolger feuert: „Wir sehen hier zerbrochenes Glas – gegenübergestellt zu einer Szene, in der Glas in Luisa Reys Auto in San Francisco zerschmettert.“

Wenn man wie Kugeln und Querschläger durch die Zeit schnellt, verändert sich dadurch auch das Konzept von Verlust. Werden Liebende beispielsweise in einer Zeitperiode getrennt, „können wir zeigen, wie sich die gleichen Darsteller in anderen Rollen wiederbegegnen“, erläutert Tom Tykwer. „Damit können wir einen Moment, der scheinbar mit gebrochenen Herzen endete, zu einem glücklichen Ende führen.“

Durch die ganze Geschichte hindurch zieht sich darüber hinaus auch das Motiv des künstlerischen Ausdrucks und das Motiv, etwas zurückzulassen, was Tom Tykwer ein „künstlerisches Vermächtnis nennt, das zu einem späteren Zeitpunkt jemand anderen beeinflussen wird.“ Adam Ewings Aufzeichnungen über seine Seereise im Jahr 1849 werden später als Tagebuch veröffentlicht, das Komponist Frobisher 1936 zu lesen beginnt. Frobishers Briefe an seinen Liebhaber Sixsmith wiederum fallen Luisa Rey 1973 in die Hände. Ihre Reportage über eine Verschwörung in der Leitung eines Atomkraftwerks wird ausgearbeitet zu einem Buchmanuskript, das Verleger Cavendish angeboten wird. Cavendishs Abenteuer in der Gegenwart von 2012 wird schließlich Vorlage für einen Film, den Sonmi 2144 sieht. Sonmis Worte aus ihrer Freiheitserklärung werden wiederholt und in Erinnerung gerufen, bis ihr Katechismus in einer Gesellschaft, die ihre Bücher und Technologie verloren hat, von Zachry und seinem Stamm im 24.Jahrhundert verehrt wird.

In ähnlicher Weise finden sich die Motive von Macht und Machtlosigkeit immer wieder im Film. Sie stehen für die beständigsten Konflikte der Menschheit. Tom Hanks’ niederträchtigste Figur, Dr. Goose, rechtfertigt 1849 schon früh seine Taten als Dieb und Mörder mit dem persönlichen Motto: „Die Schwachen sind Fleisch, das die Starken essen.“ Sogar noch Jahrhunderte später ringt seine Seele mit diesem Konzept – wie auch viele andere, und zwar von beiden Seiten dieses Gleichnisses betrachtet.

Während einige Menschen nie dazulernen, machen andere riesige Fortschritte. Diese erfreuliche Entwicklung sieht man vielleicht am deutlichsten in Tom Hanks’ Figuren – vom widerwärtigen Dr. Goose bis hin zu Zachry.

Und dennoch bleiben Spuren der Vergangenheit sichtbar.

„Es gibt da einen Moment“, so Tom Tykwer, „an dem Zachry in eine Lage gebracht wird, die ihn zur Gewalt zurückkehren lassen könnte. Er hat sein Messer schon an die Kehle eines Kona-Kriegers angesetzt, und Tom ist so ein großartiger Darsteller, dass man in seinem Gesicht ablesen kann, wie sich in Zachry die früheren Charaktere überlappen. Man spürt die Kraft dieses alten Killers Goose, die tief in seinen Genen versteckt ist. Er ist zwar ein ganz anderer Mensch jetzt, aber Goose hätte keine Sekunde gezögert.“

Lana Wachowski ergänzt, wie die Filmemacher die Entwicklung von Zachry sahen: „Wir alle wurden von diesem Konzept angezogen, dass sich ein Mensch vom Schlimmsten zum Besten entwickeln kann. Dieses Konzept wurde eine der erzählerischen Meta-Ebenen des Films. All diese Menschen können narzisstisch, ausbeuterisch, räuberisch bleiben... oder sich eben verändern. Deshalb wollten wir mit einer Figur beginnen, die ein richtiges Raubtier ist, mit Goose, und dann deren Entwicklung verfolgen, bis diese Seele das Potenzial hat, der Kometenheld zu werden.“

Häufig wird diese Entwicklung durch Liebe ausgelöst, verdeutlicht in den miteinander verknüpften Rollen von Tom Hanks und Halle Berry. „Als Luisa Rey im Atomkraftwerk Isaac Sachs begegnet“, fährt Lana Wachowski fort, „befindet sich dessen Seele in der Mitte ihrer Entwicklung. Sachs ist kein schlechter Mensch, aber er arbeitet noch für dieses niederträchtige Unternehmen. Dann aber verliebt er sich in Luisa Rey, und diese Liebe führt ihn schließlich auf einen anderen Weg.“

 

DOPPELTE ARBEIT IN DER HÄLFTE DER ZEIT

Als Tom Tykwer und die Wachowskis sich an die Verfilmung von „Der Wolkenatlas“ wagten, konnten sie nicht vorhersehen, dass sie einmal an zwei verschiedenen Fronten arbeiten würden. Zu diesem Zeitpunkt wurden logistische Fragen des Filmemachens noch von einem anderen Schwerpunkt überschattet, wie sie nämlich David Mitchells Roman auf das Wesentliche reduzieren und so auf die Leinwand bringen konnten. Als aber das Drehbuch Gestalt annahm, als die Rollen besetzt und das ganze Ausmaß ihres Vorhabens deutlich wurde, entwickelte sich das Konzept von zwei Drehteams zum effizientesten Ansatz, dieses gewaltige Projekt in den Griff zu kriegen. Mit zwei gleichzeitig operierenden Teams konnte die Drehzeit halbiert werden. Jedes der beiden Teams konzentrierte sich dabei auf jeweils drei der insgesamt sechs Segmente der Geschichte, die im Film erzählt werden. Dabei hatte jedes Team eigene talentierte Mitarbeiter, während die Schauspieler zwischen den Teams hin und her pendelten.

„Ein Jahr vor Produktionsbeginn brachten wir die Chefs der einzelnen Abteilungen beider Crews für einen vierwöchigen Kreativgipfel in Berlin zusammen, damit wir gemeinsam das Drehbuch besprechen konnten“, erinnert sich Produzent Grant Hill. „Wir probierten aus, wie bestimmte Arbeitsbeziehungen und Arbeitsprozesse abliefen, wollten sehen, wie das Ganze funktionieren könnte.“ Wie schon bei den Filmemachern entwickelte sich bei allen ein starkes Gefühl, unbedingt zusammenarbeiten zu wollen. „Jeder einzelne dieser großartigen Künstler war zu einem professionellen Miteinander bereit“, fährt Grant Hill fort. „Wir erkannten, dass wir nur deutliche Vorgaben geben mussten und einen eisenhart durchgeführten Plan brauchten, um dann diese geballte kreative Feuerkraft nutzen zu können.“

Die Dreharbeiten begannen September 2011 – Tom Tykwers Team drehte zunächst in Schottland, das Team der Wachowskis auf Mallorca. Insgesamt stellten beide Teams ihre Kameras schließlich an Drehorten wie Glasgow, Edinburgh, auf dem Land in Schottland, in Sachsen, schließlich auch in Berlin und Umgebung auf, bevor man für Innen- und Green-Screen-Aufnahmen in die hochmodernen Studiohallen von Babelsberg zog.

Obwohl in unterschiedlichen Ländern arbeitend, hielt das Regietrio ständigen Kontakt. „Die Regisseure hatten jedes einzelne Detail durchdacht, jeden Schnitt und jede Verbindung zwischen den einzelnen Elementen der Geschichte. Sie waren bereits vor Beginn der Dreharbeiten unglaublich gut vorbereitet“, erinnert sich Produzent Stefan Arndt. „Während der Dreharbeiten kontaktierten sie sich gegenseitig, um darauf hinzuweisen ‚Du musst hier etwas ändern. Wenn Du die nächste Szene drehst, bedenke bitte, dass der Schauspieler hier dieses oder jenes tut.’ In der Kommunikation untereinander waren alle drei großartig und wirklich in der Lage, ihre Entscheidungen zu besprechen und gemeinsam zu tragen.“

Auf Mallorca fand man die passenden Drehorte für den Beginn und das Ende der epischen Saga – die pazifische Insel, von der aus Adam Ewing und Autua nach San Francisco segeln, wie auch das Tal auf Hawaii, in dem Ziegenhirt Zachry etwa 500 Jahre später lebt. „Wir entschlossen uns, dass es dieselbe Insel sein sollte“, erläutert Lana Wachowski. „Dieser Bezug wie auch die extreme Entwicklung von Tom Hanks’ Rollen von Dr. Goose bis hin zu Zachry waren verbindende Stützen für den Beginn und das Ende der gezeigten Zeitlinie. Damit konnte auch das Leitthema von Rückkehr und Wiederholung zusätzlich unterstrichen werden.“

Die Szene, in der Ewing an einem Strand Dr. Goose begegnet, wurde an der berühmten Bucht von Sa Calobra am Torrente de Pareis gedreht, während Horrox’ Tabakplantage aus dem 19. Jahrhundert auf einem privaten Grundstück in der Nähe des mallorquinischen Dorfes Es Llombards entstand.

Die Prophetess, Ewings Segelschiff, war tatsächlich ein altes, aber wunderbar erhaltenes und seetaugliches Schiff mit dem Namen Earl of Pembroke. Ursprünglich in Schweden gebaut, ist es heute im Besitz der Square Sail Company und liegt im Hafen von Charleston vor Anker. Für die Dreharbeiten wurde das Schiff nach Mallorca gesegelt. Dort wurden kleinere äußere Korrekturen vorgenommen und der ursprüngliche blaue durch einen schwarzen Anstrich ersetzt. Der Kapitän, Robin Davies, stand dem Film schließlich als Marinekoordinator zur Verfügung und ist mit seiner 15-köpfigen Crew auch in Statistenrollen in den Szenen auf Deck zu sehen.

Auf Mallorca fanden die Filmemacher auch den idealen Drehort für den felsigen, gebirgigen Weg, auf den sich Zachry und Meronym zu ihrem Ziel durchkämpfen. Dafür nützte man die spektakuläre Aussicht vom Puig Major, der mit 1445 Meter höchsten Erhebung auf den Balearen. Auf dessen Spitze fand man auch noch heute vom Militär genutzte Radaranlagen aus den 1950er Jahren vor, die man perfekt in die Anlagen verwandeln konnte, die Meronym im 24. Jahrhundert sucht.

Von Mallorca aus reisten die Wachowskis ins deutsche Bundesland Sachsen. Die berühmten Felsformationen aus Sandstein und die dichten Wälder, die man dort vorfand, eigneten sich ideal als Hintergrund für Zachrys Lebensraum, sein Heim und die umgebenden Wälder, in der die furchterregenden Kona seine Familie bedrohen und attackieren. Produktionsdesigner Hugh Bateup kommentiert das Konzept für die Errichtung von Zachrys Dorf: „Wir wollten diese Zivilisation nicht als zu unterentwickelt zeigen, als wenn die Menschen ins finsterste Mittelalter zurückgefallen wären. Wir entschieden uns, dass nach einer großen globalen Katastrophe zwei bis drei Generationen vergangen sein sollten und diese Menschen gelernt hatten, in einer zerstörten Welt zu leben und wieder Dinge zu erschaffen. Sie stellten sie aus Materialien her, die ihnen zur Verfügung standen, die sie beim Zug durch die zerstörten Städte gefunden hatten. Diese Menschen sind Handwerker und Kunsthandwerker, keine Barbaren.“

Aus Kontinuitätsgründen wurde die kleine Ziegenherde, die Zachry in den auf Mallorca gedrehten Szenen betreut, nach Sachsen gebracht. Zusammen mit sechs Pferden, die in Madrid trainiert und dann für die furchterregende Attacke der Kona auf Zachrys Dorf von Madrid nach Sachsen transportiert wurden. Geritten wurden die Pferde in diesen Actionszenen vom spanischen Stuntkoordinator Jordi Casares und seinem Team, während dem erfahrenen Reiter und Steadycam Operator Jorge Agero die wackelige Aufgabe zufiel, die Steadycam auf dem Rücken der reitenden Pferde zu führen.

Tom Tykwer hingegen machte aus einem Viertel in Glasgow, in dem es ansteigende und abfallende Straßenzüge gab, das San Francisco von 1973. Man ersetzte Verkehrszeichen, Ampeln und Straßenbeleuchtung, organisierte vor Ort Autos aus den 1970er Jahren, um eine spannende Verfolgungsjagd mit anschließendem Schusswechsel drehen zu können. Szenen, in denen Luisa Rey und Napier versuchen, dem Auftragskiller Bill Smoke zu entkommen.

Aus dem Rathaussaal Edinburghs wurde das Hotel, aus dem Komponist Frobisher durch ein Abflussrohr entflieht. Edinburghs berühmtes Denkmal für Sir Walter Scott wurde als Drehort für die Szenen benutzt, in denen sich Frobisher vor seinen Verfolgern und der Öffentlichkeit zurückzieht und schließlich dort auch ein letztes Mal seine große Liebe Sixsmith sieht. Die Filmemacher erhielten einen exklusiven zweitägigen Zugang zu dem 61 Meter hohen Denkmal, das zuvor noch nie wegen Dreharbeiten für die Öffentlichkeit gesperrt worden war. Mit einem Kran und nicht über die schmale Wendeltreppe des Denkmals wurden dann Kameras und Ausrüstung zur Aussichtsplattform gebracht.

Für Ayrs’ prächtigen Herrensitz, auf dem Frobisher schließlich eine Anstellung bekommt, suchten Tom Tykwer, Produktionsdesigner Uli Hanisch und die Locationscouts in Schottland nach einem geeigneten Drehort und wurden schließlich in West Dunbartonshire mit dem Overtoun House fündig. Dieser Landsitz war nicht nur architektonisches Double für Ayrs’ Anwesen im Jahr 1936, sondern auch für Aurora Country Estates, das albtraumhafte Pflegeheim, in dem Timothy Cavendish 2012 weggesperrt wird. „Etwa 80 Jahre liegen zwischen diesen Geschichten, deshalb sollten sich die Veränderungen an den Bäumen und im Garten zeigen“, erläutert Hanisch. „Unsere Strategie war es dabei, für die Szenen in den 1930er Jahren Blätter und Laubwerk hinzuzufügen, was wir später dann für das schmucklosere und schlichtere Äußere von 2012 wieder entfernen konnten.“ Darüber hinaus wurden für die Szenen mit Cavendish ein stattliches Haupttor und ein Gewächshaus aufgebaut.

Die symbolische Verbindung dieser Locations kommentiert Tom Tykwer: „Es war einst der Herrensitz, in dem der gealterte Komponist Ayrs versuchte, seinen jungen Assistenten Frobisher gefangen zu halten. Ein ganzes Leben später ist er es selbst, wiedergeboren als Cavendish, der an diesem Ort eingesperrt ist, an dem er früher die Aufsicht und das Sagen hatte.“

Bereits in früher Produktionsphase, als man den Film konzipierte, wurde die Entscheidung getroffen, dass bestimmte Orte und Gebäude für einzelne Geschichten wiederverwendet werden sollten. „Dabei aber wollten wir flexibel bleiben“, erklärt Hanisch. „Manchmal war dieser Ort der echte, manchmal gab es nur Andeutungen darauf. Wir begannen mit Ewings unter Deck liegender Schiffskabine. Die Umrisse und Konturen dieses Raums finden während des Films mehrere Entsprechungen – man erkennt sie in Cavendishs Büro, in Luisa Reys Apartment, in Frobishers Zimmer auf Ayrs’ Anwesen und in Zachrys Hütte.“

Auf ähnliche Weise wurde Ayrs’ opulent gestalteter, in einer Studiohalle errichteter Musiksalon umgebaut in den deprimierenden Speisesaal des Pflegeheims Aurora Country Estates. Das von Hugh Bateup designte Restaurant, der Arbeitsplatz von Sonmi, hat eine fröhliche, strahlende virtuelle Atmosphäre, an der sich die Gäste erfreuen können. Nach Geschäftsschluss aber wird die graue, höhlenartige Realität dieses Ortes enthüllt und deutlich. „Wir mussten eine Gesellschaft für Konsumenten des Jahres 2144 erfinden und uns überlegen, wie wohl in dieser Zeit ein Fast-Food-Restaurant aussehen würde“, erläutert Bateup. „Lana und Andy haben präzise Vorstellungen, wie sie diese Zukunft sehen. Deshalb spielten wir mit verschiedenen Ideen, bis schließlich die Welt Sonmis Gestalt annahm.“ Nachdem die futuristischen Szenen dort abgedreht waren, wurde dieses Set umgestaltet, in Schwarz, Weiß und Rot gehalten und für die Szenen von Cavendishs Party anlässlich seiner neuen Buchpräsentation wiederverwendet. Ein riesiges Aquarium schlägt als visuelles Zitat die Brücke zu dem virtuellen Fischteich am Boden von Sonmis futuristischem Restaurant.

Die Designer etablierten auch bestimmte Elemente, die im Film immer wieder auftauchen – wie etwa Züge und Brücken, die in den Geschichten mit Frobisher, Cavendish, Luisa Rey und Zachry eine Rolle spielen. Auch Objekte mit Ei-ähnlichen Formen gibt es im Film immer wieder zu sehen. Das Spektrum geht von den Spielzeugen in der Fabrik in San Francisco, durch die Luisa Rey auf der Flucht vor dem Killer läuft, bis hin zu den Sitzen in Sonmis Restaurant und der Aufnahmeapparatur, die der Archivar für sein Verhör benutzt.

Ziel der Filmemacher und der Designer war es, dass die Zuschauer die sich verändernden Umgebungen schnell bemerken sollten. „Jede Zeitperiode sollte klar markiert und erkennbar sein, damit man sich nie fragen würde, ob das nun die 1930er oder die 1840er Jahre wären“, erläutert Ull Hanisch. „Gleichzeitig verstärken visuelle Hinweise und wiederverwendete Orte und Räumlichkeiten das Motiv, das alles verbunden ist, und die Kontinuität einer einzigen Geschichte.“

Mitverantwortlich für den üppigen Look des Films und die visuell nahtlosen Übergänge waren auch die Kameraprofis John Toll und Frank Griebe. „Die wichtigsten visuellen Designelemente waren bereits vorhanden, als unsere Arbeit für den Film begann“, bemerkt Toll. „Ein großes Ziel, das wir mit unserer Licht- und Bildgestaltung verfolgten, war es, den Look der einzelnen, insgesamt 500 Jahre umspannenden Sequenzen zu vermischen, um ein starkes dramatisches Gefühl zu erzeugen und visuell ein Element der Überlappung zu etablieren. Uns ging es nicht unbedingt darum zu versuchen, für den ganzen Film einen spezifischen und detaillierten Look zu kreieren.“

Nachdem die beiden Chefkameramänner bei ihrem ersten Treffen Kameras, Linsen und Objektive wie auch Lichtempfindlichkeit und Emulsionen besprochen hatten, reisten Griebe und Toll zu ihren jeweiligen Drehorten. Die Arbeit des Kollegen verloren sie aber nie aus den Augen, studierten täglich die eigenen Drehmuster und die des Kollegen.

Für beide Drehteams überwachte Dan Glass, der seit THE MATRIX („Matrix“, 1999) mit den Wachowskis zusammenarbeitet, als Visual Effects Supervisor die Effekte. Am sichtbarsten ist seine Arbeit in den beiden in der Zukunft spielenden Geschichten, ganz besonders in den Actionsequenzen mit Sonmi und in der virtuellen Atmosphäre des Restaurants, in dem sie arbeitet. Doch darüber hinaus sind Zeugnisse seiner Arbeit in jeder einzelnen Zeitperiode zu finden. Er half dabei mit, Glasgow in San Francisco zu verwandeln und kreierte digital das fiktive Atomkraftwerk Swanneke Power Station. „Tom ist es gewohnt, an realen Schauplätzen zu drehen, deshalb arbeiteten wir stärker mit bereits vorhandenen physischen Elementen, die wir dann erweiterten. Für diesen Stoff war das ein großartiger Ansatz“, bemerkt Dan Glass.

Die Szene, in der Luisa Rey die Golden Gate Bridge überquert, wurde zum Teil in einem Wassertank in Köln, zum Teil auf einer Startbahn auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof gedreht. Hier kollidieren die von Stuntprofis gefahrenen Autos, durchbricht der VW-Käfer von Luisa Rey die Brückenbrüstung. Alles andere wurde digital realisiert, darunter auch die Brücke mit ihrer ganzen Spannweite und der Ausblick auf die San Francisco Bay.

Für die Gestaltung der Metropole Neo Seoul des Jahres 2144 stellten sich die Filmemacher eine Zukunft vor, in der ein viel höherer Wasserstand die älteren Bereiche der Stadt überflutet haben würde. „Um ein weiteres Vordringen des Meeres zu verhindern, haben sie riesige Schutzwälle gebaut“, erklärt Glass. „In einigen dieser Areale kreierten wir digital die Spitzen von Wolkenkratzern, die aus dem Wasser ragten, um tief unter Wasser liegende Gebäude anzudeuten. Für die neueren Stadtteile, Lebensraum der wohlhabenderen Bevölkerung, überlegten wir uns, von der Spitze dieser Stadtruinen hinauf zu filmen. Steigt man zu den unteren Ebenen hinab, sieht man eine viel trostlosere und schmutzigere Welt. Hier wird Changs Rebellion geboren.“

Sonmis Flucht und die atemberaubenden Feuerduelle zwischen ihrem Helden Chang und der Regierungsverfolgertruppe, die hoch über der Skyline von Neo Seoul bis hinab in die unteren Ebenen attackiert, wurden vor Green Screens und mit Hilfe digitaler Animation in den Studios von Babelsberg realisiert, wo beide Drehteams schließlich zusammentrafen.

 

KOSTÜME, FRISUREN UND MAKE-UP

Kym Barrett und Pierre-Yves Gayraud kleideten nicht nur einzelne Figuren ihrer Zeit und ihrem Status entsprechend ein, sondern versuchten auch subtil, bestimmte Farben, Strukturen oder Designmuster einzuführen, die sich vermischen und diese Figuren über ihre jeweiligen Zeitperioden hinaus vereinen konnten. „Wir wählten zum Beispiel bestimmte Grüntöne aus, die dann bei verschiedenen Charakteren zu sehen sind“, erklärt Barrett, die ebenfalls bei MATRIX mitgearbeitet hatte. „Auf einem Hemd aus den 1970er Jahren fanden wir ein dreieckiges Design, das wir später, neu angeordnet, in das Tapetenmuster von Sonmis sicherem Haus einbauten. Wir haben versucht, solche visuellen Motive in alle Teile dieser großen Geschichte einfließen zu lassen, damit sich unterbewusst ein Strom von Bildern und Symbolen entwickeln konnte.“

Gayraud, der bei CLOUD ATLAS zum dritten Mal mit Tom Tykwer zusammenarbeitet, kaufte in Berliner Geschäften Konfektionskleidung für die Szenen mit Timothy Cavendish. Aber der größte Teil der Kostüme für die früher spielenden Geschichten entstand nach seinen Vorgaben durch Handarbeit. Oft benutzte man dafür alte authentische Stoffe, die man auf Pariser Flohmärkten entdeckt hatte. Für Ayrs’ Hausmantel griff Gayraud auf einen Stoff aus den 1970er Jahren zurück, der mit seinem geometrischen Design an den Futurismus des frühen 20.Jahrhunderts erinnerte. Der Stoff wurde dann geschnitten und eingefärbt. Grundlage für die prachtvolle Weste von Rufus Sixsmith, die als textile Hommage die Brücke zur Zeit von Adam Ewing schlägt, war ein Stoff aus den 1830er Jahren.

„Wir stellten uns zum Beispiel vor, dass Luisa Rey vielleicht auf einem Antikmarkt eine Robe aus den 1930er Jahren erstanden hätte“, erläutert Gayraud. „Die Halskette, die Halle Berry als Luisa trägt, wurde ursprünglich und in veränderter Form 1936 von Jocasta getragen und taucht dann auf der Party von Cavendish wieder auf, die Berrys Figur besucht.“

Ähnlich verhält es sich mit den von Schmuckdesigner Lorenzo Mancianti kreierten Knöpfen auf Adam Ewings Weste, auf die Dr. Gooses gieriger Blick sofort fällt. Sie tauchen später als Perlen wieder auf, die Zachrys Hals schmücken. Diese Knöpfe mussten nicht nur aussehen wie verblüffende Edelsteine, sondern auch der Erde ähneln, wie man sie vom Weltall aus sehen kann. Damit sollte ein Gefühl von Zeitlosigkeit etabliert werden.

Bei Sonmis Garderobe entschied sich Barrett für einen minimalistischen Ansatz. „Sie befindet sich auf einer politischen und emotionalen Reise, Sonmi wird in Zachrys Zukunft zu einer mythischen Ikone. Damit sie zunächst real wirken und dann in diese Person verwandelt werden konnte, die so vielen Menschen so viel bedeutet, entschieden wir uns dafür, sie beinahe nackt und ungeschmückt zu zeigen. Ihr Gesicht sollte der Fokus sein.“

Für die Kleidung, die in der rauen Landschaft von Zachrys futuristischer Welt getragen wurde, war Barretts Ansatz ganz pragmatisch: „Die Figuren leben in den Wäldern, also sollten sie sich von ihrer Umgebung nicht stark abheben, damit sie dort auch überleben konnten. Mir kam die Idee, dass diese Menschen stricken würden, dass alles, was sie tragen, Handgesponnenes oder Makramee sein sollte. Weil sie täglich mit der Bedrohung durch die Kona zu leben hatten, mussten sie mobil bleiben. Und ein Spinnrad lässt sich leicht packen und zu einem anderen Ort bringen.“

Bei den Sequenzen mit Ewing, Sonmi und Zachry arbeiteten Barrett und die Wachowskis eng mit Haar- und Make-up Designer Jeremy Woodhead zusammen. Dessen Kollege Daniel Parker kam in Zusammenarbeit mit Tom Tykwer und Gayraud in den Szenen mit Frobisher, Luisa Rey und Cavendish zum Einsatz. Woodhead und Parker führten Teams an, die dabei halfen, die Schauspieler bei der Durchkreuzung von Raum und Zeit in ihrem Alter, manchmal auch in ihrem Geschlecht und ihrer Ethnie zu verändern. Dabei war es ihr Auftrag, diese Veränderung so vorzunehmen, dass man die Schauspieler noch erkennen konnte. Selbst wenn bei ihnen extrem viel Make-up aufgetragen werden musste. „Der Trick war dabei, die richtige Balance zu finden, zu verkleiden und maskieren, ohne die natürlichen Gesichtszüge völlig unkenntlich zu machen“, erläutert Woodhead.

Für einige dieser Metamorphosen waren prosthetische Applikationen notwendig – ein Gebiet, auf dem Woodhead und Parker Spezialisten sind. Wo immer es aber möglich war, zog das Duo den Einsatz von traditionellem Make-up, Perücken und Haarteilen vor.

Für das erste und letzte Segment der 500 Jahre umspannenden Zeitlinie führte Woodhead Tom Hanks von einem Extrem zum anderen. „Wir wollten, dass Tom in seiner abschließenden Rolle als Zachry gut zu erkennen war. Bei Dr. Goose, seiner Figur aus dem Jahr 1849, hatte ich mehr Spielraum, um einen richtigen ‚Charakter’ zu erschaffen. Ich gab ihm eine Halbglatze, ausdünnendes rötlich-braunes Haar, einen Backenbart, eine falsche Nase und tolle große Zähne. Man erkennt ihn noch immer, aber er ist auch im Erscheinungsbild Lichtjahre von Zachry, diesem freundlichen, starken und stillen Mann, entfernt.“

Woodheads Kollege Parker machte aus Hanks den knallharten Schlägertypen Dermot Hoggins, den Autor der von Cavendish verlegten Biografie „Knuckle Sandwich“. „Wir gaben ihm eine Nase, die massive Spuren von Brüchen zeigte, außerdem eine Glatze, Narben und Tättowierungen.“ Für den habgierigen Hotelmanager, den Hanks in der 1936 spielenden Geschichte darstellt, bekam der Weltstar einen Bart, einen dickeren Nacken und eine mächtige Knollennase, das Ergebnis übermäßigen Alkoholkonsums.

Zu Woodheads beeindruckendsten Leistungen zählte die Verwandlung von Hugh Grant in einen mit weißem Lehm überzogenen Kannibalen. „Zwei Stunden Arbeit, eine applizierte Halbglatze, Irokesenschnitt, Tätowierungen, Körperfarbe und falsche Zähne waren dafür nötig“, beschreibt Woodhead diesen Prozess. „So etwas war mit Grant nie zuvor gemacht worden.“

Darüber hinaus verwandelte Woodhead Jim Sturgess zum Rebellen Chang in Sonmis Geschichte, machte aus Halle Berry eine Maori, einen gealterten Asiaten und schließlich auch die aus ihrem Inneren heraus leuchtende Prescient Meronym. Des Weiteren half er dabei, Susan Sarandon in Suleiman, einen Mann, Doona Bae in Tilda, eine Frau aus dem Westen, und James D’Arcy wie auch Hugh Grant in Asiaten zu verwandeln.

Für Hugo Weavings Transformation zur grimmigen Schwester Noakes war Woodheads Kollege Parker verantwortlich. „Einen Mann mit Make-up zur Frau zu machen, wie auch der umgekehrte Prozess, ist immer sehr schwierig“, gibt Parker zu. „Die männliche Knochenstruktur unterscheidet sich von der weiblichen, deshalb braucht man dafür Zeit. Die Schädelform ist völlig anders. Man muss Veränderungen an der Stirn wie auch an der Hautbeschaffenheit vornehmen. Es gibt viele subtile Elemente, über die man sonst nie nachdenkt. Wenn man diese aber ignoriert, wird jeder sehen können, dass es sich hier um einen Mann in Frauenkleidern handelt. Und diesen Eindruck wollten wir ganz bestimmt vermeiden.“

Parker verwandelte auch Jim Sturgess in einen bärtigen schottischen Fußball-Hooligan, Ben Whishaw in die sittsam-spröde Georgette Cavendish, Doona Bae in eine Fabrikarbeiterin mit lateinamerikanischen Wurzeln und Xun Zhou in einen Hotelangestellten. Darüber hinaus half er dabei mit, Halle Berry zu einer indischen Partybesucherin, zur Journalistin und Halb-Puerto-Ricanerin Luisa Rey und zur Europäerin Jocasta zu machen, mit der Komponist Ayrs verheiratet ist.

„Für jemanden mit unserem Beruf war dieser Film ein kreativer Höhepunkt im Design von Frisuren und Make-up, ein echter Traumjob“, schwärmt Woodhead. „Besser kann man es eigentlich in unserem Beruf nicht treffen.“

 

DAS „CLOUD ATLAS SEXTETT“

Tom Tykwer gehört einer sehr kleinen Gruppe von Filmemachern an, die selbst die Musik zu ihren Filmen komponieren. Während der Soundtrack sonst in der Regel nach den Dreharbeiten und dem Filmschnitt kreiert wird, zieht es Tykwer vor, damit bereits weit vor den Dreharbeiten zu beginnen. Im Fall von CLOUD ATLAS war er zwei Monate vor Drehbeginn bereits mit der Aufnahme der Musik fertig, die er mit Johnny Klimek und Reinhold Heil, seinen ständigen musikalischen Mitarbeitern bei fast allen seiner Filme, geschrieben hatte.

„Diese Vorgehensweise ist ihm lieber, als den Film vorübergehend mit Musik von anderen Komponisten zu unterlegen“, erklärt Reinhold Heil. „Dadurch ist es ihm möglich, Musik probeweise einzusetzen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, was schließlich an ihre Stelle treten soll. Wenn der Film dann in der Postproduktion Gestalt annimmt, sehen wir, was noch fehlt oder korrigiert werden muss, und nehmen dann die finale Fassung des Scores auf.“

„Auf diese Weise wird die Musik zu einem atmosphärischen Element, zu einer Art Subebene“, ergänzt Tom Tykwer. „Und zwar nicht nur im Dienst des Films, sondern auch der Darsteller, die davon inspiriert werden können. So wird der Soundtrack ein Teil der gesamten filmischen Erfahrung.“

Tom Hanks erinnert sich an die Anfänge des Produktionsprozesses: „Das Erste, was sie machten, als wir alle gemeinsam das Drehbuch lasen, war, uns Schauspielern die Musik vorzuspielen und uns Skizzen zu zeigen, damit wir sehen konnten, wohin uns dieses Abenteuer führen würde. Das alles war Teil einer bis ins letzte Detail realisierten filmischen Vision, die uns vom ersten Moment an gezeigt wurde.“

Die Komponisten begrüßten es, dass sich bei diesem Film ihr Mitarbeiterkreis erweiterte, wie Johnny Klimek bemerkt: „Der Input von Lana und Andy war großartig. Sie sind zwar keine Musiker, haben aber ein gutes Gespür für den dramatischen Einsatz von Musik. So konnten sie uns auf die bestmögliche Art anregen und inspirieren.“

Zum ersten Mal ist die Musik Schwerpunkt in der Geschichte über Frobisher, der als junger Komponist darum kämpft sein Lebenswerk, „The Cloud Atlas Sextet“, zu vollenden. Doch wie Klimek erläutert, ist die Musik nicht auf diese Episode beschränkt. „Sie ist allgegenwärtig in Form einer Melodie, von ein paar einfachen Noten für Streicher über das Gitarrenriff eines Rocksongs aus den 1970er Jahren bis hin zu einem Stück, das ein Jazz-Sextett auf der Verlegerparty von Cavendish spielt. Wir brauchten eine Musik, die schön und veränderbar genug war, um ums durch fünf Jahrhunderte zu tragen.“

„Viele Leben später wird sie vielleicht jemandem, der sie hört, vertraut vorkommen“, ergänzt Tom Tykwer Klimeks Ausführungen und gibt damit zu, dass die Musik selbst Teil des viel größeren Reinkarnationsmotivs des Films wird. „Das Sextett gehört in die Zeit, in der es Frobisher in seinem modernistischen Stil komponierte, also in die 1930er Jahre. Aber es taucht überall und immer wieder auf, passt zu so vielen Szenen, wird zum musikalischen Leitmotiv für den ganzen Film.“

„The Cloud Atlas Sextet“ spiegelt musikalisch die dramatische Struktur der Geschichte - mit all den unterschiedlichen Einzelsegmenten, Stimmungen und Themen, die rhythmisch zu einem Ganzen verschmelzen. Mit dieser künstlerischen Metapher kann sich auch Tom Tykwer anfreunden: „In der Geschichte findet man viele subjektive Stimmen. Und wir suchten nach der Stimme, die sie alle umfassen und einen könnte, um einen wunderschönen Chor zu bilden.“

Das Abenteuer von Adam Ewing eröffnet CLOUD ATLAS. Ein Gefühl, das Ewing zum Ende dieses Abenteuers zum Ausdruck bringt, beschreibt in den Augen Andy Wachowskis den ganzen Film: „Eine der letzten Dialogzeilen des Films stammt von Ewing, der bemerkt ‚Was ist ein Ozean anderes als ein Meer von einzelnen Tropfen?’ Für mich beschreibt dieser Satz die ganze Geschichte des Produktionsprozesses dieses Films, wenn man an all die Mitarbeiter, an all die Gefälligkeiten, um die wir gebeten haben, an all die Menschen, die dieses kreative Kollektiv formten, denkt.“

Und Lana Wachowski ergänzt resümierend: „Mir hat der Gedanke schon immer gefallen, dass das wahre Wesen von Unsterblichkeit in unseren Worten und Handlungen liegt, die sich über alle Zeiten hindurch verteilen. Das ist ein absolut faszinierendes Konzept, das uns zum Teil erst dazu brachte, über die Möglichkeit nachzudenken, dieses Buch zu verfilmen. Und unser Film sollte dieses Konzept auch vermitteln. Das haben wir hier zu erreichen versucht.“

Rufus Sixsmith (James d'Arcy) and Robert Frobisher (Ben Wishaw) Sonmi 451 (Doona Bae) Welcome in Papa Song Zachry (Tom Hanks) and Meronym (Halle Berry) Vyvyan Ayrs (Jim Broadbent) and Robert Frobisher (Ben Wishaw) composing „Wolkenatlas-Sextett“ Lloyd Hooks (Hugh Grant) Zachry (Tom Hanks)