Lola rennt



Drehzeit Juni 1997 – Juli 1997
Drehorte Berlin
Produktion X Filme Creative Pool mit dem WDR und arte
Uraufführung 4. September 1998
Kinostart 20. August 1998
Im Verleih von Prokino Filmverleih
Weltvertrieb Bavaria International
US Verleih Sony Classics



Inhalt

Auszeichnungen

• Bayerischer Filmpreis 1998
• Offizieller Wettbewerbsbeitrag Venedig 1998
• Bambi 1998 (Franka Potente, Newcomer)
• Kritikerpreis 1998 (Verband der dt. Kritiker e.V.)
• Jupiter ("Cinema"-Leserpreis 1998 – bester Film, beste Regie,beste Hauptdarstellerin, bester Hauptdarsteller)
• Preis der deutschen Filmkritik 1999
• Bundesfilmpreis 1999 in Gold für den besten Film
• Bundesfilmpreis 1999 für die beste Regie
• Bundesfilmpreis 1999 für die beste Nebendarstellerin (Nina Petri)
• Bundesfilmpreis 1999 für den besten Nebendarsteller (Herbert Knaup)
• Bundesfilmpreis 1999 für besten Schnitt
• Bundesfilmpreis 1999 für die beste Kamera
• Publikums-Filmpreis 1999 für den "Deutschen Kinofilm des Jahres"
• Publikums-Filmpreis 1999 für die "Schauspielerin des Jahres" Franka Potente
• Großer Preis der Stadt Genf (Franka Potente)
• Hongkong Critics Choice
• Sundance Film Festival 1999, Audience Award
• Erfolgreichster deutscher Film 1998
• Goldene Schallplatte für Titelsong „Wish“ (Franka Potente und Thomas D.)
• Golden Space Needle Award for Best Picture (Seattle 1999)
• Independent Spirit Award 2000

Nach "Winterschläfer" sah es nicht besonders gut aus für die junge Firma X Filme. Durch die eigenen Perfektionsansprüche war das Budget stark überzogen worden. Wolfgang Beckers "Das Leben ist eine Baustelle", bei dem Tom Tykwer Co-Autor war, sprengte ebenfalls seinen Kostenrahmen, es gab keine finanziellen Reserven, die Gerichtsvollzieher standen vor der Tür. Es musste ein neuer Film her – und zwar schnell. Mit dieser Ansage, als pragmatisches Rettungsprojekt ohne lange Entwicklungszeiten, wurde "Lola rennt" geboren. Aus dem Hut gezaubert und durchgezogen. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Man meint, den wilden Geist dieser Zeit in jeder Einstellung zu spüren, Ideenüberschwang und Experimentierfreude springen den Betrachter förmlich an. Schon der Vorspann ist ein philosophischer Kick-Off im Wortsinn, der aber nicht nur eine Idee enthält, sondern mindestens sieben. Es beginnt mit einem Vers von T.S. Eliot, einem Lieblingsdichter Tykwers, der etwa den Inhalt hat, dass jede Suche am Ende wieder an ihren Ausgangspunkt zurückführt. Ein paar Sekunden später wird sie ergänzt durch ein Zitat des deutschen Fußball-Weisen Sepp Herberger: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Schon hier entsteht dieses Schillern zwischen Philosophie und Mutterwitz, Chaostheorie und Popkultur, das den Film prägen wird. Sodann schwingt ein gewaltiges Pendel durchs Bild, Teil einer dämonischen Wanduhr – die sprichwörtliche "Ticking Clock", auf dem Soundtrack verstärkt durch einen anschwellenden Sechzehntel-Technobeat. Beide werden die Geschichte nun mitleidlos vorantreiben.

Story

Die Kamera stürzt durch den Schlund einer Drachenfigur, die über der Uhr ihr hölzernes Maul öffnet, und findet sich auf einem freien Feld wieder, über das Tausende von schemenhaften Gestalten irren. Ein Bild für die Zufälligkeit des menschlichen Strebens - nur manchmal isoliert sich eine Figur, die wir später im Film wiedersehen werden. Gleichzeitig philosophiert die Stimme von Hans Paetsch über eben diese Fragen – eine Stimme, die viele Betrachter aus Kindheitstagen kennen, die klassische Erzählstimme der deutschen Märchenaufnahmen. Ein Mann in Wachdienst-Uniform (Armin Rohde) wendet sich direkt an den Zuschauer, gibt weitere Sepp-Herberger-Weisheiten zum Besten ("Der Ball ist rund") und schießt einen Fußball in den Himmel. Mit dem Ball steigt auch die Kamera auf, während Ordnung in das Menschengewusel kommt, die Gestalten formen nun, aus großer Höhe betrachtet, die Buchstaben des Titels. Die Gesetze des Zufalls, gezähmt durch einen formalen Gestaltungswillen – schon hier ist ein Grundthema zu erkennen. Nun wechseln das Bild in die Animation, die Titelheldin Lola erscheint als Zeichentrickfigur. Sie rennt durch einen Tunnel psychedelischer Farben und wird schließlich von einem Spiralstrudel verschluckt. Die Spirale als Motiv wird noch öfter auftauchen, zum Beispiel später in jenem Gemälde im Spielcasino, das direkt aus Hitchcocks "Vertigo" entstammen könnte. Zunächst aber erscheinen die Darsteller auf Polizeifotos – immer drei Perspektiven in schneller Folge, die Schriften unterlegt vom Metall zuschlagender Gefängnistüren. Mit demselben Geräusch schlägt auch das Bild wieder über ihnen zusammen: Eine Luftaufnahme von Berlin, wir stürzen auf die Spree zu und landen dann im Innenhof eines Hauses in der Albrechtstraße, rasen durchs Fenster hinein, über den Flur und halten vor einem altmodischen, roten, heftig klingelnden Telefon. Lola (nun real: Franka Potente) nimmt ab – und das Publikum, fasziniert, leicht fassungslos durch diesen unerwarteten Adrenalinrausch, kann hier zum ersten Mal kurz durchatmen.

Schon bisher gab es Hinweise auf eine Faszination der Bewegung, ein Hineinstürzen in den Fluss der Dinge, eine visuelle und musikalische Kinetik in Tykwers Werk. Hier aber scheinen diese Kräfte völlig entfesselt zu sein. Die Geschichte ist so experimentell, dass sie technische und bildgestalterische Extravaganz verkraften kann, sämtliche Tricks sind erlaubt: Zeitlupen, Zeitraffer, Schnitttricks, Splitscreens, Video-, Schwarzweiß- und Animationselemente, Fotoromane im Sekundentakt. Der schiere Output an Energie ist enorm. Im Sommer 1998, als dieser Bilderwirbel über das deutsche Kino hereinbrach, wirkte er wie eine Offenbarung, ein Dopingmittel, ein verschärfter Drogentrip. Jahrzehnte hatte das der heimische Film, von mageren Budgets niedergedrückt, diese Art von Kinetik und Visualität beinah abergläubisch gemieden – im vorauseilenden Eingeständnis, dass man ohnehin nicht mit Hollywood mithalten könne. Nun aber waren lange schlummernde Kräfte geweckt – und sollten auf der ganzen Welt noch gehörig Wirbel machen.

Verschnaufpause vorbei: Manni (Moritz Bleibtreu), Lolas Freund, ruft aus einer Telefonzelle an – es geht ihm gar nicht gut. Die Geschichte, die er zu erzählen hat, wird mit rasanten Rückblenden bebildert: Ein sicher nicht legaler Autodeal, Bezahlung in Diamanten, Umwandlung in Geldpakete, hunderttausend Mark in Mannis Plastiktüte, alles läuft gut, nur Lola, die ihn abholen sollte, ist nicht da. Manni fährt U-Bahn, flieht vor Kontrolleuren, vergisst die Tüte im Abteil. Ein Penner (Joachim Król, bekannt aus "Tödliche Maria") findet sie, macht sich davon. Manni wird gleich seinen Boss treffen, Ronnie (Heino Ferch, bereits in "Winterschläfer"). Mit Ronnie ist nicht zu spaßen, er wird Manni umbringen und Lola vielleicht auch – wenn Manni nicht in zwanzig Minuten das Geld wieder besorgen kann. "Liebe kann alles" - das ist Lolas Motto. Er zitiert es sarkastisch, irre vor Angst, er wird sterben und sie kann gar nichts machen, nicht einmal sie, die immer eine Idee hat, auch sie muss ihre Machtlosigkeit eingestehen, aus, vorbei... Lola aber sieht das anders. Sie schreit. Erstickt sein Lamento in einem Schrei, so schrill und laut, dass die Bierflaschen im Raum zerplatzen. Dieser Schrei sagt: NEIN! Liebe kann tatsächlich alles. Ich helfe dir. Du wirst schon sehen. Ich werde jetzt: Rennen. Und Lola rennt.

Drückt man im Geiste kurz auf die Pausentaste, dann sieht man, wie der Film in diesem Moment eine entscheidende Hürde nimmt. Man darf gar nicht anfangen, sich Fragen zu stellen: Wieso werden zehn Mercedes-Limousinen nur mit 100.000 Mark bezahlt? Können Lola und Manni wirklich nicht fliehen? Wird Ronnie sie tatsächlich umbringen? Geht es definitiv nur um zwanzig Minuten? Nein, Lolas Aufgabe kommt aus dem Reich des Phantastischen – es ist die Aufgabe eines Märchens oder, in moderneren Zeiten, eines Videospiels. Sie muss nicht realistisch sein, wir müssen nur für die Dauer des Films daran glauben. Und hier gelingt, dankt Franka Potente und Moritz Bleibtreu, ein kleines Wunder: Die Angst, die sie empfinden, ist echt, ihre Stimmen sind mit so viel Sorge und Menschlichkeit aufgeladen, dass sie vom ersten Moment wahrhaftige erscheinen. Besonders Franka Potente wird mit genialer Intuition an dieser Linie festhalten – was immer der Film ihr an formalen Spielereien entgegenschleudert, was immer sie an Ikonografie mit sich trägt – Post-Punk, Neue Mitte, Pop-Berlin – sie wird als Lola darauf antworten, als real existierendes Berliner Mädchen, mit schweren Stiefeln auf dem Boden der Tatsachen. Aus dieser Spannung wird der Erfolg des Films geboren – und nicht zuletzt ihr eigener, der sie bis nach Hollywood geführt hat. Brillant ist natürlich auch, dass hier einmal eine Frau einen Mann retten muss, und nicht umgekehrt – Tykwers Hang zu starken Heldinnen, schon lange evident, kommt einmal mehr zum Tragen.

Die Rennstrecke, die Lola nun bewältigt, führt sie mitten durch Berlin und im wesentlichen zu ihrem Vater, einem Bankdirektor, der das Geld vorstrecken könnte, und dann zum vereinbarten Treffpunkt mit Manni. Tom Tykwer wird sie bis zum Ende nicht nur einmal zurücklegen, sondern dreimal – und jedes Mal werden winzige Unterschiede im Zeitablauf zu völlig anderen Wendungen führen. Wobei Lola nicht nur Mannis Schicksal und ihr eigenes verändert, sondern auch das aller Figuren, die sie berührt. Das Leben handelt davon, sagt dieses Spiel, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Oder zur falschen Zeit am falschen Ort. Oder irgendwas dazwischen. Von Ferne erinnert das an die Chaostheorie, den Flügelschlag eines Schmetterlings, der zum Orkan in China führt, und so fort – tatsächlich aber ist es ein Thema, das Tykwer schon länger fasziniert. Bereits sein Kurzfilm "Because" spielt eine Geschichte dreimal durch – und auch hier entschieden winzige Veränderungen im Ablauf der Dinge über drastische Konsequenzen wie Leben oder Tod. Tykwer bezeichnet ihn daher gern als "Prequel" zu "Lola rennt."

Die vielen Ideen und Handlungsvarianten der drei Parallelwelten, die Lola durchläuft, sprengen den Rahmen der Beschreibung. Sie reichen von der Erfindung des Blitz-Fotoromans, der divergierende Lebenswege der Randfiguren skizziert, über wiederkehrende Auftritte eines Fahrradfahrers, eines Rettungswagens und eines unfallträchtigen Verkehrsteilnehmers namens Meier, bis hin zu Slapstick-Zitaten wie einer Glasscheibe, die über die Straße getragen wird, zweimal verschont wird, aber einmal auch dramatisch zerbricht. Nehmen wir nur die Frau mit Kinderwagen heraus. Beim ersten Mal wird sie von Lola gestreift und flucht – daraufhin geht ihr Leben schief, ihre Kinder werden vom Jugendamt abgeholt, schließlich stiehlt sie ein Baby im Park. Beim zweiten Mal wird sie etwas später gestreift, flucht auch, gewinnt aber dennoch im Lotto und wird steinreich. Beim dritten Mal wird sie nur fast gestreift, zieht trotzdem eine Grimasse, findet zum Glauben und wird Zeugin Jehovas. Ein gewisse Konsequenz des Schicksals ist dabei durchaus vorhanden: Zwei Autos, die zusammenstoßen sollen, stoßen auch zusammen – allerdings an verschiedenen Orten. Und der Mann, der am Anfang Lolas Moped gestohlen hat, wird am Ende durch ausgleichende Gerechtigkeit in den finalen Unfall verwickelt.

Lola selbst erfährt durch diverse Verwicklungen, dass sie gar nicht die Tochter ihres Vaters ist, dass sie mit Waffen umgehen und, wenn es drauf ankommt, sowohl einen Supermarkt als auch eine Bankfiliale überfallen kann. Ihr Rettungsversuch endet dennoch zweimal tragisch. Beim dritten Durchlauf allerdings, als sie den Vater verpasst und gar keine Idee mehr hat, wie sie an das Geld kommen soll, überlässt sie sich der Führung höherer Mächte. Mit geschlossenen Augen läuft sie weiter – wieder jener Moment des Fallenlassens, der in Tykwer-Filmen so wichtig ist. Sie spricht eine Art Gebet: "Komm schon, hilf mir. Nur dieses eine Mal." Dabei wird sie fast überfahren, aber dann fällt ihr Blick auf ein Spielcasino, das sie sonst immer übersehen hat – und von nun an wird das Glück auf ihrer Seite sein. Manni hat ein ähnliches Erlebnis, als er auf eine blinde Frau hört und dadurch den Dieb seines Geldes wiederfindet. So belohnt, werden beide Liebenden in der letzten Runde zu Gewinnern. Und weil jeder seine eigene Mission zum Erfolg führt, dürfen sie am Ende auch noch eine Menge Geld mit heim nehmen...

Einen "Film für Verliebte" nennt Tom Tykwer sein Werk. Die Kraft der Liebe macht das Unmögliche möglich, sie dreht das Schicksal um, sie kann tatsächlich alles. Dass Lola nicht einfach nur eine Superheldin mit flammendrotem Haar ist, dafür sorgen drei Zwischensegmente, die auch als Trenner der drei Varianten fungieren. Sie spielen in einem rotgetönten Zwischenreich zwischen Leben und Tod, oder zumindest sind sie Momente des Innehaltens in diesem Spiel: Manni und Lola sammeln Kraft, um dasselbe Level, an dem sie gerade gescheitert sind, zum zweiten oder zum dritten Mal anzugehen. Trotzdem wirken diese Episoden ganz real, vielleicht sind sie auch einfach nur Erinnerungen: Manni und Lola liegen im Bett, sie stellen sich philosophischen Fragen über die Zukunft ihrer Liebe, zum Beispiel was passieren würde, wenn einer stirbt. Erst stellt Lola Mannis Liebe in Frage, dann ist es wieder andersherum – solche Dialoge sind allen Verliebten vertraut. Die Wahrheit einer Beziehung einfangen – das war es, was Tykwer schon in "Because" versucht hat. In diesen kurzen Szenen knüpft er dort an, und zeigt, wie weit er es inzwischen gebracht hat.

Muss man zum Schluss erwähnen, dass "Lola rennt" die Firma X Filme gerettet hat? Eigentlich nicht. Der globale Triumphzug des Films ist inzwischen Legende: Mehr als zwei Millionen Besucher in Deutschland, Festivalpremiere in Venedig, ein heißer Kampf um die Verleihrechte in Amerika, eine Goldene Schallplatte für den Soundtrack, berühmte Fans von Winona Ryder über James Cameron bis George Clooney. Inzwischen ist der Film endgültig im Pop-Universum verankert – nur deshalb kann er in einer amerikanischen Mainstream-Fernsehserie wie "Dawson's Creek" als Referenz für cooles Filmemachen zitiert werden, nur deswegen gab es 2001 eine "Simpsons"-Folge mit dem Titel "Trilogy of Error - Run, Lisa, Run." Das wäre geschafft, kann sich Tom Tykwer nun einerseits sagen - andererseits aber hofft er natürlich, nicht bis zu seinem Lebensende als der Schöpfer von "Lola rennt" identifiziert zu werden. Von den Verlockungen Hollywoods, die nun massiv über ihn hereinbrachen, zeigte er sich jedenfalls bemerkenswert unbeeindruckt. Als der weltweite Hype losging, schrieb er schon an einem neuen Drehbuch, und der Schauplatz stand bereits fest: Wuppertal.

Cast & Crew

Cast

Lola
Manni
Lolas Vater
Herr Schuster
Norbert von Au
Frau Hansen
Frau Jäger
Kassierer Kruse
Herr Meier
Mike
Doris
Herr Kruse
Sanitäter
Croupier
Casino-Manager
Casino-Kassiererin
Krankenwagenfahrer
Ronnie
Mutter
Die Alte
Die Blinde
Wachmann Supermarkt
Polizist
Erzähler
Franka Potente
Moritz Bleibtreu
Herbert Knaup
Armin Rohde
Joachim Król
Nina Petri
Suzanne von Borsody
Lars Rudolph
Ludger Pistor
Sebastian Schipper
Julia Lindig
Lars Rudolph
Andreas Petri
Klaus Müller
Utz Krause
Beate Finckh
Volkhard Buff
Heino Ferch
Ute Lubosch
Dora Raddy
Monika Bleibtreu
Peter Pauli
Marc Bischoff
Hans Paetsch

Crew

Drehbuch / Regie
Produzent
Herstellungsleitung
Produktionsleitung
Aufnahmeleitung
Aufnahmeltng. Vorbereitung
Set Aufnahmeleitung

Filmgeschäftsführung
Zus. Set Aufnahmeleitung

Produktionsassistenz
Sekretariat
Produktionspraktikantin
Praktikantin Aufnahmeleitung
Praktikant Postproduktion
Regie Assistenz
Script / Continuity
Komparsen Casting
Regie Praktikantin

Kamera
2. Kamera
Kamera 2nd Unit
Kamera Assistenz

Kamera Assistenz 2nd Unit
Material Assistenz
Standfotographie
Helikopter Fotographie

Steadycam
Kamera Praktikanten



Schnitt
Schnitt Assistenz
Originalton
Ton Assistenz
Ausstattung
Aussenrequisite
Innenrequisite
Bauten
Baubühne
Requisitenfahrer


Ausstattungspraktikantin


Kostümbild
Garderobe
Kostüm Praktikantin
Maskenbild
Zusätzl. Maskenbild
Haardesign „Lola“
Oberbeleuchter
Beleuchter
Zus. Beleuchter
Beleuchtungspraktikant

Kamerabühne
Kamera Bühnen Assistenz
Produktionsfahrer
Stunts

Stuntfahrer
BMW Typen





Scheibenträger


Stuntfrau



Sportl. Betreuung
Spezialeffekte
Casting Betreuung

Catering
Putzi Schmitz


Aussperrung und Parkplätze
Flash Forward Fotoserien



Fotograph
Aufnahmeleitungq
Ausstattung
Maske
Mischung
Mischtonmeister
Sound Design
Geräuschemacher
Geräuschaufnahmen
Tonschnitt
Sprachaufnahmen

Tonkoordination Postproduktion
Zeichentrick
Herstellungsleitung
Design, Animation
Animation
Postproduktion
Kolorierung

Filmbelichtung

Digital Special Effects
Senior Effects Supervisor
Production Manager
Digital Artists
Digital Domino Effects
Domino Recording, Scanning Editing
Graphic Artist
Kopierwerk
Gesamtleitung
Koordination
Trickbearbeitung
Lichtbestimmung

Negativschnitt
Endtitel
Redaktion
Projektentwicklung

Originalmusik


Music Supervisors
Tom Tykwer
Stefan Arndt
Maria Köpf
Ralph Brosche
René Löw
Ralph Remstedt
Kathrin Rohm
Natalie Clausen
Carsten Neumärker
Mario Strien
Swantje Matthaei
Susanne Hahn
Gisela Liesenfeld
Ute Bergien
Katja Wessels
Martin Cichy
Sebastian Fahr
Sabine Zimmer
Cinova Casting
Uta Seibicke
Barbara Schernthaner
Frank Griebe
Jan Hartmann
Marc Kubik
Jan Hartmann
Susanna Salonen
Jan Hoffmann
André Schneider
Bernd Spauke
Jan Hoffmann
Gudrun F. Widlok
Tilman Büttner
Anja Simon
Christof Wahl
Klaus Liebertz
Sebastian Meuschel
Mathilde Bonnefoy
Johannes Weuthen
Frank Behnke
Nanett Creutzburg
Alexander Manasse
Cary Gayler
Sonja König
Attila Saygel
Oliver Krönke
Jens Schlemmer
Olof Pock
Martin Petersmann
Katja Kiesewalter
Stella-Nicoletta Drossa
Micha Korok
Monica Jacobs
Ingrid Buhrmann
Sabine Groh
Margrit Neufink
Jekatarina Oertel
Christa Krista
Fred Dombrowka
Oliver Liliensiek
Sebastian Jahnke
Carsten Gutschmidt
Andi Stein-Strauss
Wolfgang Franke
Robert Wedemeyer
Stefan Schuster
Buff Connection
Hannes Staehle
Volkhart Buff
Ralf Haeger
Sascha Kuchenbuch
Stefan Manteuffel
Frank Christoffer
Piet Paes
Leo Plank
Dani Stein
Emanuel Raasch
Frank Jablonski
Rossi Alvarez
Berno Buff
Andi Stein-Strauss
Micha Bornhütter
Susanne Braun
Berliner Spezialeffekte, Gerd Voll
An Dorthe Braker
Roland Tropp
Dinner For Tour
Dorit Günther
Didier Franque
Mirko Andreas
Bloc. Inc. Filmservice
Achim, Bernhard, Christian Sarni,
Usch, Carsten, René, Robert Jörgen,
Die Potsdamer, Folker, Grete und Willi

Frank Griebe
Jörg Trentmann
Irene Otterpohl
Babette Bröseke
Ruhr Sound Studios
Matthias Lempert
Dirk Jacob
Jörn Poetzl
Normann Büttner
Markus Münz
Günter Friedhoff
Kai Storck
Marita Strotkötter
Studio Film Bilder
Thomas Meyer-Hermann
Gil Alkabetz
Ralf Bohde
Nurit Israeli
Sonja Müller
Armin Vetter
Robert Mack
Hari Ehinger
Das Werk
Thomas Tannenberger
Manfred Büttner
George Maihöfer
Dominik Trimborn
Andreas Schellenberg
Claudius Schulz
Geyer Werke Berlin
Hans Joachim Rabs
Renate Leisering
Klaus Peter Schulze
Norbert Keil
Ruth Raatz
Cornelia Schürmann
Thomas Wilk
Gebhard Henke, WDR
Liane Jessen
Andreas Schreitmüller, ARTE
Tom Tykwer
Johnny Klimek
Reinhold Heil
Daydream Productions
Klaus Frers
Stefan Broedner
Entstehung

Anything Runs
Interview mit Tom Tykwer

Wie ist die Idee zu LOLA RENNT entstanden?

Ich komme immer vom Bild. Es gibt ein Bild in meinem Kopf, das ich Lust habe, in Bewegung zu bringen, eine Geschichte darum zu bauen und einen Film daraus zu machen. Bei LOLA RENNT war das eine rennende Frau, die seitliche Halbnahe von einer rennenden Frau. Ich glaube, die Idee, einen dynamischen Film zu machen, ist eine Urlust bei Filmemachern. Deswegen guckt man gerne Actionfilme: weil Film Geschwindigkeit transportieren kann. Film hat etwas mit Dynamik, mit Explosivität zu tun. Film kann aber auch Emotionen transportieren. Ein rennender Mensch bringt alles zusammen: explosive Dynamik und Emotionen, denn der Mensch hat in der Bewegung Ausdruck - Verzweiflung, Freude, was auch immer. Diese Dynamik hat etwas Ur-Kinohaftes. Wie eine Laterna Magica. Da spielt auch eine kindliche Begeisterung für dieses einfachste aller Kinobilder eine Rolle: ein Mensch in Bewegung. Winterschläfer war ein Film mit epischem Atem und Schwere, LOLA RENNT war eine Art von Befreiungsschlag. Ein Gegenmodell. Nicht inhaltlich, sondern formal. LOLA RENNT soll mitreißen, eine Achterbahn für die Zuschauer sein, die durchgeschüttelt werden. Ich wollte nacktes, rasendes Vergnügen - das von der Komplexität dennoch Winterschläfer in nichts nachsteht. Eine wilde Jagd mit Nachwirkungen.

LOLA RENNT beschäftigt sich bei aller Dynamik mit philosophischen Fragen - wo kommen wir her, wo gehen wir hin - und ist gleichzeitig ein Generationsporträt. Steckt unsere Zeit in einer Sinnkrise?

Wenn man dem Zufall große Chancen gibt, zeigt das, daß Ideologien keine Stärke haben. Unsere Zeit ist nicht von Idealen beherrscht. Man guckt, was heute geschieht, kümmert sich wenig um das, was morgen kommt. Es gibt keine Pläne - was heißt, daß der Augenblick an Bedeutung gewinnt. Die Zeit des Wirtschaftswunders war geprägt vom Aufbau, vom Blick nach vorn. Heute lebt man eher situativ.

Wie ist die Besetzung zustandegekommen?

Franka Potente war von Anfang an da. Was sich erst keiner vorstellen konnte, weil sie in Nach fünf im Urwald eher ein harmloses Mädchen-Image hatte. Franka kann tatsächlich etwas mittelständisch Normalo-mäßiges transportieren, was Lola ja auch hat - ihr Vater ist schließlich Filialleiter einer Bank. Aber diese vibrierende Energie von Lola, die war bei Franka in Nach fünf im Urwald schon sichtbar. Eine Kraft, die ich entfaltet sehen wollte. Ich wollte echte Charaktere haben, die man sofort mag und denen man ihre Liebe abnimmt. Bei Franka und Moritz Bleibtreu wünscht man sich von Anfang an, daß sie ein Paar sind und bleiben. Sie sind einfach füreinander gemacht. Moritz ist unglaublich präsent, man schließt ihn sofort ins Herz - der darf einfach nicht sterben! Er posiert nicht, er ist glaubwürdig, chaotisch, liebenswert.

In den Nebenrollen tummelt sich fast das ganze Who Is Who der deutschen Schauspielzunft: Heino Ferch, Joachim Król, Nina Petri, Herbert Knaup...

Ich arbeite gerne mit Schauspielern, die ich kenne. Sie gehören zu meiner kreativen Familie. Es macht Spaß, daß öfter dieselben Schauspieler durch meine Filme laufen - mal in einer Hauptrolle, mal in einer Nebenrolle. Filmintern gibt es dafür aber einen viel wichtigeren Grund: LOLA RENNT betont von Anfang an, daß es ein Zufall ist, daß ausgerechnet Lolas Geschichte erzählt wird. Sie wird aus einer Menschenmenge herausgegriffen - und wir hätten auch die Geschichte von jemand anderem erzählen können. Von Herrn Meier, Frau Hansen, Herrn Schuster ... und in kleinen Splittern erzählen wir sie ja auch. Es war wichtig, für diese Personen ein Gefühl zu erzeugen. Hinter jeder Figur steht nicht nur ihre dramaturgische Funktion, sondern ein riesiger Kosmos. Nebenfiguren sind naturgemäß auf ihre Funktionalität in der Haupthandlung eingeschränkt. Für mich waren in LOLA RENNT alle Figuren gleich wichtig - potentielle, in dieser Geschichte unerfüllte Hauptfiguren. Die wollte ich dann auch wie Hauptrollen besetzen. Auch wenn die Rolle - wie bei Heino Ferch beispielsweise - winzig ist.

Sie haben einmal gesagt, es gäbe “geliebte und ungeliebte Kinder". Was ist Lola?

Lola fühlt sich nicht geliebt von ihren Eltern. Deswegen ist Manni auch ihr Anker, ihre Liebe, ihr Leben. Die Eltern sind verstrickt in ihre eigene Geschichte. Es gibt keinen Kontakt zwischen Eltern und Tochter, sondern eine tiefe Fremdheit. Das ist heute fast normal. Meine Generation und die jüngere haben ein absolutes Elternproblem, das sich gravierend von dem Generationsproblem der 68er unterscheidet, weil es vor allem emotional und weniger ideologisch ist. Es gibt keine Intensität zwischen den Generationen.

Die tödliche Maria, Winterschläfer - und jetzt LOLA RENNT. Wie reiht sich LOLA RENNT in Ihr Werk?

Meine drei Filme sind total verschieden, doch ich erkenne mich in ihnen immer wieder. Bestimmte Elemente, die mich interessieren, tauchen immer wieder auf. Zeit zum Beispiel und die Manipulation von Zeit. Für mich gehört das dramaturgische Prinzip, Zeit zu gestalten, zum Interessantesten beim Film. Man kann 20 Minuten oder 20 Jahre erzählen. Die besten Filme haben eine Persönlichkeit, ohne privat zu sein. Filme müssen eine eigene Handschrift haben. Die ist in allen meinen Filmen zu sehen. LOLA RENNT ist für mich eine kontinuierliche Reise. Dabei ist das Wichtigste, daß der Zuschauer fühlt, daß Lola die verschiedenen Möglichkeiten, die wir im Film zeigen, tatsächlich durchlebt hat. Nicht nur die letzten 20 Minuten. Daß das Publikum emotional über die Zeitklammer hinweg und gefühlsmäßig mit Lola in den Film hineinwächst; und will, daß sie am Ende für all das, was sie durchlebt hat - Mannis Tod, ihr eigenes Sterben - belohnt wird.

Ist das Schreien von Lola, das im Casino die Gläser platzen läßt, ein bewußtes Zitat aus Schlöndorffs Blechtrommel?

Darüber habe ich weder beim Schreiben noch beim Drehen nachgedacht. Natürlich werden einige diese Verbindung herstellen, obwohl es von mir nicht als bewußtes Zitat gemeint ist. Es ist eine kleine Irritation - und ich glaube auch nicht, daß es für so eine Szene ein Monopol gibt. Obwohl Oskar Matzerath aus der Blechtrommel auch eine sehr sehnsüchtige Figur ist, hat sie doch eine andere Aussage. Dennoch hat sie auch etwas mit einer immensen Kraft zu tun, was eine Verbindung zu Lola herstellen könnte. Lolas Schrei ist ein wahnsinniger, wilder, hysterischer Ausdruck von Verzweiflung und dem Versuch, der scheinbar größten Hoffnungslosigkeit und Panik mit Energie entgegenzutreten und die Dinge in Bewegung zu setzen. Der Ausdruck von starkem Wollen, von Sehnsucht - darum heißt der Titelsong auch I wish I was.

Wie sah das visuelle Konzept bei LOLA RENNT aus?

Der Film wurde exakt gestoryboarded, weil es auf so viele winzige Details ankam: Wo genau stand welche Person in welcher Szene? Wie nimmt die Kamera wirklich nur die Dinge auf, die wichtig sind? Dazu kommt, daß wir eine Geschichte erzählen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes an ein und demselben Tag spielt. Das heißt, daß das Wetter und das Licht identisch sein müssen. Ein wahnsinniges Element waren auch die Uhren, die überall im Bild auftauchen. Da haben wir stundenlang diskutiert, ob es in dieser oder jener Szene jetzt sieben Minuten oder sechs Minuten vor zwölf sein muß. Oder vielleicht schon fünf vor zwölf? Die Continuity hat jedenfalls Überstunden gemacht! Das visuelle Konzept war schon in der Vorbereitung von größter Bedeutung, das Drehbuch war deswegen auch sehr technisch geschrieben. Technik ist ein elementarer Bestandteil des Films, der sich jedoch organisch integriert und unsichtbar wird. Ziel war ja, daß die ganze Struktur in Vergessenheit gerät und der Wunsch, daß Lola Mannis Leben rettet, zur Hauptmotivation wird.

Die Musik spielt eine große Rolle in LOLA RENNT. Die ist in Zusammenarbeit von zwei Musikern und Ihnen entstanden...

Wie bei Winterschläfer habe ich auch bei LOLA RENNT gemeinsam mit Johnny Klimek und Reinhold Heil die Filmmusik gemacht. Die Vorstellung, daß jemand anderer die Musik zu einem Film von mir komponiert, ist für mich ein Alptraum. Mit falscher Musik kann man einen Film durchaus verhunzen. Mit Musik kann man aus einem guten Film einen sehr guten Film machen und aus einem nicht ganz so guten Film einen schlechten. Musik verstärkt eben alles. Man stelle sich mal Spiel mir das Lied vom Tod ohne Musik vor! Musik und Bild - das ist Film. Ich denke, schreibe und schneide sehr musikalisch; was also liegt näher, mich auch um den Soundtrack zu kümmern? Abgesehen davon macht es Spaß. Es ist außerdem gar nicht einfach, den “richtigen" Filmkomponisten zu finden. Einen, der die Vision des Regisseurs teilt. Ich habe bis zu meinem 18. Lebensjahr Klavierunterricht gehabt und komponiere deswegen Melodien am Klavier vor. Dann gibt es eine Basis-Session zu dritt mit Johnny Klimek und Reinhold Heil. Klimek kommt mehr vom Techno, Heil war Keyboarder und einer der Hauptkomponisten bei Spliff. Da kommen dann Jazz, aktuelle Musik, Popmusik der 80er Jahre und ich mit meiner Klassik und meiner Filmmusik zusammen - eine interessante Fusion. Ich wollte keine Standard-Techno-Musik über den Film legen. Beim Soundtrack zu LOLA RENNT habe ich zum ersten Mal eine Pop-Platte, eine richtige Tanzscheibe gemacht.

Was war bei diesem exakt konstruierten Film die größte Herausforderung?

Wichtig beim Schnitt war das Timing, denn der Film ist sehr schnell und man muß Zeit haben und dem Publikum geben, im Kopf das Gesehene zu organisieren. Gestalterisch war die größte Herausforderung, die Zeitsprünge nicht als Bruch erscheinen zu lassen, sondern die Übergänge ineinanderfließen zu lassen, so daß der Zuschauer hinterher emotional wieder nahtlos einsteigt. Das Raum-Zeit-Kontinuum wird aus den Angeln gehoben, ohne daß man es richtig bemerkt. Dabei durfte das Treibende, das Atemlose, weder verloren gehen, noch zum Selbstzweck geraten. Also sind wir auch visuell einer Logik gefolgt: Jede Ebene hat einen eigenen Look. Die Sequenzen von Lola und Manni sind auf 35 mm gedreht. Die anderen, bei denen Lola und Manni nicht am Ort sind, entstanden auf Video - quasi in einer synthetischen, in einer Kunstwelt. Damit werden Lola und Manni zum Zentrum ihrer Welt, in der ganz kinomäßig auch Wunder möglich sind. Das Kinobild ist wahr, die anderen sind quasi unwahr. Wenn also Lola durch ein Videobild läuft, wird es zum Film.

Ist LOLA RENNT ein Berlin-Film?

Ja, natürlich. Anders aber als in Das Leben ist eine Baustelle. Dieser Film, bei dem ich am Drehbuch mitgeschrieben habe, zeigte ein realistisches, aussterbendes Berlin im Auf- und Umbruch, noch im Sog von Mauerfall und Wende. LOLA RENNT zeigt ein anderes Berlin, eins, das nicht die Gedächtniskirche isoliert und den Alexanderplatz hinzuaddiert. Sondern eine Stadt in einem aufregend synthetischen Stadium zwischen Moderne und Abbruch. Keine Stadt ist so synthetisch und lebendig wie Berlin. Riesige große, graue Straßen ohne Grün, menschenleer, gespenstisch - fast wie im Studio. Hier kann man sich gleichzeitig aus der Welt gerissen und verschlungen von einer riesigen Metropole fühlen. LOLA RENNT funktioniert nach dem Pippi-Langstrumpf-Motiv “Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt". Die Wege sind leer, die Straßen freigemacht für Lola, für das, was jetzt in ihrem Leben wichtig ist.

Welche Bedeutung haben die Zeichentricksequenzen?

Bei der Überlegung, wie man einen Film über die Möglichkeiten des Lebens macht, war mir völlig klar, daß es auch ein Film über die Möglichkeiten des Kinos sein mußte. Deswegen gibt es Schwarzweiß, Farbe, Video, Zeitraffer, Zeitlupe - und Zeichentrick. Dabei spielt auch die Lust an der Freiheit der Mittel eine Rolle. Man kann heute mit allen Mitteln jonglieren, nichts ist mehr isoliert. Die Zeiten, in denen man Musik nur auf dem Plattenspieler hörte, die Nachrichten nur im Fernsehen sah, das Buch in der Bibliothek auslieh, den Film nur im Kino sah - die sind vorbei. Durch die interaktiven Medien und das Internet kann das alles jetzt auf einem Monitor geschehen. Damit erlebt man heute die Welt anders, und das kann man im Film zeigen.
Der Zeichentrick zeigt maximiert, daß alles möglich ist, anything goes. Hier setzt nur die Phantasie die Grenzen. Strukturell ist die Trickfilmsequenz im Film immer der Ausgangspunkt für alle dominosteinprinzipmäßigen Veränderungen in der Kausalitätskette.

Also ist LOLA RENNT ein ganz neuer Film?

Nur von außen. Die Mittel ändern an der Art des Erzählens nichts. Das funktioniert weiterhin nach den strukturellen Prinzipien, nach denen schon die Klassiker gearbeitet haben. Da unterscheidet sich LOLA RENNT nicht. Wir haben eine große leidenschaftliche Liebe, wir haben ein klares Action-Prinzip, wir haben einen Auftrag, der durch den Film geht. LOLA RENNT funktioniert nicht anders als die Suche nach dem Gral. Nur, daß es sich bei unserem Gral um 100.000 Mark handelt.

Trailer

Soundtrack

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Die wenigsten Regisseure können es - Tykwer kann und traut sich: er arbeitete auch bei LOLA RENNT am Soundtrack mit. Dabei kann er auf die Co-Operation mit Musikern wie Johnny Klimek und Reinhold Heil zurückgreifen. Wie bei Tykwers Winterschläfer, an dem Heil und Klimek ebenfalls arbeiteten, verbinden sich bei LOLA RENNT die verschiedenen Stile der drei Musiker – NDW, klassische Filmmusik und viel Techno – zu einem einzigartigen Mix. Zu der außergewöhnlichen Musik kommt eine noch außergewöhnlichere Stimme hinzu: LOLA-Darstellerin Franka Potente gibt ihr Debüt als Sängerin. Die Arbeit hat ihr hörbar Spaß gemacht. Den dunklen, beatlastigen Klängen raunt, flüstert und haucht sie Leben ein: Ihr Gesang macht sie geheimnisvoll und mystisch.

In den Songs findet die filmische Struktur ihre akustische Entsprechung. So untermalen die Lieder The First Run, The Second Run und The Third Run in ihrer facettenreichen Unterschiedlichkeit die Entwicklung und Wandlung der Heldin. Hochtonige, fiebrige Acid-Klänge und 80er Jahre-Sounds peitschen The First Run zu einem wilden Finale; The Second Run ist geprägt von aufgekratztem Gesang, ausgeklügelten Drum’n’Bass-Rythmen und weckt Assoziationen an den Underworld-Hit Bom Siippy aus dem Film Trainspotting. The Third Run dagegen ist ein elektronisches Popstück mit Breakbeat-Einflüssen, das Franka Potentes Stimme zugleich unheimlich und sexy macht.

Auch die weiteren Stücke des Soundtracks sind eine fulminante Fusion mitreißend tanzbarer Stücke, die das Tempo des Films in einen Geschwindigkeitsrausch verwandeln. Bei A Supermarket ist Trance-Techno zu hören, der immer wieder in eine Bassdrum mündet, die sich anhört wie ein beschleunigter Herzschlag. Escape From the Bank ist hipper Detroit-Techno, der minimalistisch und streng eine pulsierende Linie unter die Bilder legt.

So ist der Soundtrack zu LOLA RENNT eigentlich noch einmal der Film. Er beschwört rasante Bilder eines schnellen Lebens in Berlin, die Vision einer atemlosen Jagd und das Lebensgefühl der Endneunziger herauf. Ganz im Sinne von Regisseur Tom Tykwer, der sein Verständnis für Filmmusik auf eine griffige Formel bringt: “Musik und Bild – das ist Film.”

Presse

Pressestimmen

FilmMaker
The Magazine Of Independent Film, Spring 1999
Issue #27, Vol. 7, #3,

FilmMaker

Timeout, New York
June 1999, Issue #195

Timeout, New York

New York Times
June 13, 1999

NY Times

Süddeutsche Zeitung
19.08.1998

SZ

SZ-Extra
20.08.1998

SZ Extra

Berliner Zeitung
05.09.1998

BZ

Bild am Sonntag
23.08.1998

Bild am Sonntag

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